582. Wer von seiner Frau versorgt wird
„Wehe dem, dessen Frau für seinen Lebensunterhalt sorgt.“ Denn als Lebensunterhalt gilt das, woraus ein Mensch Genuss zieht; das ist sein Lebensunterhalt. Deshalb sehen wir, dass es Menschen auf der Welt gibt, die alles Gute besitzen und denen nichts fehlt. Dennoch empfinden sie keine Freude am Leben. Ein solcher Mensch gilt als arm, das heißt, er hat keinen Lebensunterhalt – er hat nichts, woraus er Genuss empfangen kann.
Der Mensch besteht aus zwei Kräften: aus dem, was er empfängt, und aus dem, was er dem anderen gibt. Sie werden als Kraft des Empfangens und Kraft des Gebens bezeichnet. Die Kraft des Gebens in ihm wird Sachar (männlich, Eigenschaft des Gebens) genannt. Damit ist gemeint, dass er seinen ganzen Lebensunterhalt – also den Genuss, den er empfindet – daraus bezieht, dass er anderen gibt. Umgekehrt kann sein ganzer Genuss aus dem stammen, was er für sich selbst empfängt. Dies wird als „weiblich“, also als Frau, bezeichnet.
Das ist die Bedeutung von „Wehe dem, dessen Frau für seinen Lebensunterhalt sorgt“: Wenn all sein Genuss und seine Freude daraus stammen, dass er empfängt, heißt es über ihn: „Wehe ihm“, denn er befindet sich am Ort des Zimzum (Einschränkung). Wenn dagegen sein Genuss und seine Freude – also sein Lebensunterhalt – daraus stammen, dass er sich zum Wohl anderer betätigt, ist er dem Ziel nahe, das der Mensch erreichen soll: seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026