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600. Aus Tiefen rief ich zu Dir, Ewiger – 1

In der tiefsten Unterwelt steht geschrieben: „Aus Tiefen rief ich zu Dir, Ewiger“, das heißt: Aus der Tiefe der Nöte rief ich zu Dir. Deshalb muss der Mensch vor dem Gebet (Tefilla) darüber nachdenken, wie groß sein Mangel ist, damit der Schöpfer ihm bei diesem großen Mangel hilft.

Der Mensch muss also aufmerksam sein, um seinen Mangel zu spüren. Dies heißt ein Gebet aus der Tiefe des Herzens vonseiten des Empfangenden. Doch Aufmerksamkeit ist auch in Bezug auf den Gebenden nötig. Der Mensch muss nämlich fest daran glauben, dass der Schöpfer ihm helfen wird.

Das heißt: Im Materiellen sehen wir, dass ein echtes Gebet bei einem Menschen zu finden ist, der einen anderen um eine Gefälligkeit bittet, etwa um Geld.

Dafür müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

1) Der Gebende muss das besitzen, worum man ihn bittet. Wenn jemand zum Beispiel Geld möchte, muss er vorher wissen, dass dieser Mensch reich ist.

2) Er muss ein gutes Herz haben.

Fehlt eine dieser beiden Bedingungen, gibt es keinen Raum für ein Gebet. Darüber heißt es: „Israel ist heilig: Einer hat, will aber nicht; ein anderer will, hat aber nicht.“

Dies ist in Bezug auf den Schöpfer zu erklären. Israel, das den Schöpfer bittet, ist aufgrund der Handlung des Gebets heilig. Zwar glauben manche, dass der Schöpfer das besitzt, worum sie bitten – etwa Lebensunterhalt und Gesundheit –, und dass Er es geben kann, halten Ihn aber nicht für barmherzig. Andere wiederum glauben, dass Er barmherzig ist, aber nicht die Macht hat zu geben. Auch dies wird als heilig bezeichnet.

Ein echtes Gebet besteht jedoch darin, dass der Mensch glaubt: Der Schöpfer besitzt das, worum er bittet, und der Schöpfer ist auch barmherzig. So steht geschrieben, dass der Schöpfer „Vater der Barmherzigkeit“ genannt wird und „Sein Erbarmen über all Seinen Werken ist“.

Bei materiellen Bedürfnissen hingegen muss man nur glauben, dass Er gibt. An den Mangel selbst muss man nicht glauben, denn im Materiellen spürt der Mensch seinen Mangel.

„Israel ist heilig“ usw.: Der Schöpfer hat, will aber nicht geben, weil der Mensch es aufgrund seiner Taten nicht verdient. Oder der Schöpfer will ihm geben, hat aber nicht das, was der Mensch möchte: Der Mensch will, dass Er ihm in Gefäße des Empfangens gibt, doch Er will nicht in Gefäße des Empfangens geben.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026