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606. Die Kleingläubigen

Kleingläubige sind Menschen, die nicht ganz und gar geben wollen. „Wer beim Gebet (Tefilla) seine Stimme hören lässt, gehört zu den Kleingläubigen.“

Man muss fragen: Wenn ein Mensch zum Schöpfer betet, glaubt er gewiss an den Schöpfer. Worin liegt also der Unterschied? Wenn er seine Stimme hören lässt, gilt er dann nicht mehr als jemand, der an den Schöpfer glaubt, während er bei einem leise gesprochenen Gebet als gläubig gilt? Worin liegt der Unterschied? Ob leise oder laut – der Mensch muss doch glauben, dass der Schöpfer sein Gebet hört. Daraus folgt: Wenn er betet, besitzt er gewiss Glauben. Wie hängt also das eine mit dem anderen zusammen?

Man muss sagen, wie es im Sulam (Leiter-Kommentar) erklärt wird: Das leise Gebet lernen wir von Hanna, denn es steht geschrieben: „Ihre Stimme aber wurde nicht gehört.“ Baal HaSulam erklärt, dass die Stimme von Malchut, die „Verlangen zu empfangen (Razon lekabel)“ heißt, nicht gehört werden soll. Vielmehr richtet sich das Gebet auf das Verlangen zu geben (Razon lehashpia): Der Schöpfer möge von oben die Kraft der Reinheit senden, die „Verlangen zu geben“ heißt.

Daraus folgt: Wer seine Stimme hören lässt – nämlich die Stimme des Verlangens zu empfangen –, gehört zu den Kleingläubigen, obwohl er an den Schöpfer glaubt und Ihn um Hilfe bittet. Denn der Glaube an den Schöpfer sollte vor allem darin bestehen, dass der Schöpfer uns den Geist der Reinheit sendet, der „Verlangen zu geben“ heißt. In dieses Verlangen zu geben können sich dann das Gute und der Genuss kleiden, die im Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) liegen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026