628. Die Zustände „Götzendiener“ und „Israel“
Zehn Tage der Umkehr, 1963, Kfar Saba
„Rabbi Yochanan sagte: Ein Götzendiener, der sich mit der Tora befasst, war des Todes schuldig, wie es heißt: ‚Die Tora hat er uns geboten‘ – uns als Erbe, nicht ihnen.“1
„Wer sich vor einem Ungebildeten mit der Tora befasst, handelt so, als hätte er vor dessen Augen Verkehr mit dessen Verlobter. Denn es heißt: ‚Moses hat uns die Tora als Erbe geboten.‘ Lies nicht Morasha (Erbe), sondern Me’orasa (Verlobte).“2
Wir müssen verstehen, was es bedeutet, dass ein Götzendiener, der Tora lernt, sein Leben verwirkt. Gemeint ist: Wenn ein Mensch keine Umkehr (Teshuwa) vollzieht, gilt er als Götzendiener. Lernt er dann Tora, die als Leben gilt – wie geschrieben steht: „Denn sie ist dein Leben und die Länge deiner Tage“ –, kann er dieses Leben nur erlangen, wenn er als „Israel“ gilt, also dem Schöpfer dient.
Wenn ein Mensch dagegen sich selbst dient, gilt dies als ein Dienst, der uns fremd ist – als Götzendienst. Dann kann er sich nicht an dem Leben erfreuen, das in der Tora liegt. Der Grund ist, dass er noch immer Götzendienst verrichtet. Damit verwirkt er sein Leben; dies wird als „des Todes schuldig“ bezeichnet.
Obwohl er also lernt und ihm durch das Studium der Tora eigentlich Leben zuteilwerden sollte – er sollte sich am Leben in der Tora erfreuen dürfen –, verrichtet er Götzendienst. Daher ist er des Todes und nicht des Lebens schuldig: Er empfindet in der Tora keinen Geschmack am Leben.
So erklärt sich der Ausspruch: „Ein Götzendiener, der sich mit der Tora befasst, ist wie ein Hoherpriester.“ Er weiß nämlich, dass er noch immer ein Götzendiener ist, und bedauert dies. Deshalb sagten sie, dass er gewiss Umkehr vollziehen und würdig werden wird, als „Israel“ zu gelten, denn das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück. Wenn ein Mensch dagegen Tora lernt und nicht weiß, dass er ein Götzendiener ist, also nicht empfindet, dass er einer ist, verwirkt er sein Leben.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026