636. Die Notwendigkeit der Gründe der Tora
Fragen:
1) Zum NaRaNChaY [Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida] in der Welt Assija: Wenn erklärt wird, was dieses NaRaNChaY von Assija ist, muss man auch das NaRaNChaY von Yezira und Brija erklären.
2) Wenn man die Mizwot auf die einfache Weise erfüllen muss, wie unsere Weisen sagten: „Warum bläst man? Der Barmherzige hat gesagt: Blasen!“, warum greifen wir dann auf Bücher zurück, die die Gründe der Mizwot erklären?
Antworten:
1) Baal HaSulam sagte, man muss die Absichten der Mizwot nach dem ARI studieren. Es lohnt sich, dass der Mensch weiß, dass in jeder einzelnen Mizwa etwas enthalten ist, und darum bittet, dass der Schöpfer seine Augen erleuchtet und ihm die Gründe der Tora und der Mizwot offenbart. Er selbst ist jedoch bereit, dem Schöpfer auf die einfachste Weise zu dienen.
Dies entspricht dem Ausspruch: „Er gibt den Weisen Weisheit.“ Denn der Mensch braucht ein Kli (Gefäß), das heißt, in ihm muss eine Aufnahmefähigkeit für die Weisheit spürbar sein. Alles Wissen, das er sich durch das Studium aneignet, dient nur dazu, das Kli zu vergrößern, damit er ein Bedürfnis danach hat; und dies ist erlaubt. Wenn er jedoch beginnt, sich an die einfache Weise zu gewöhnen, glaubt er schon nicht mehr daran, dass darin ehrfurchtgebietende Geheimnisse liegen und dass es sich für ihn lohnt, sich dem König zu nähern, damit der König ihm Erlangung gibt.
Er braucht die Erlangung nicht deshalb, weil er mehr Arbeit leisten würde, wenn er die Gründe kennt. Sonst ergäbe sich, dass ihm die Eigenschaft der Hilfe fehlt – und dem Verständigen genügt dies. Vielmehr braucht er sie aus dem Grund: „Wer die Gebote seines Herrn nicht kennt, wie soll er Ihm dienen?“ Das bedeutet, dass er dann weiß, worin der Dienst besteht und wie er dem Schöpfer dienen soll.
Wenn er den Verstand nicht besitzt, ist er dennoch froh darüber, dass er zumindest das Privileg erhalten hat, über die Mittel zu verfügen, dem König wie ein einfacher Diener ohne jedes Verständnis zu dienen. Daraus folgt, dass er die Gründe der Tora nur erlangen will, um zu wissen, wie er dem Schöpfer dienen soll.
Alle Gründe, nach denen man fragt, was sie bedeuten, lernt man aus Büchern. Dass man dieses Wissen nicht benutzen soll, hat den Zweck, ein Verlangen und eine Sehnsucht danach zu wecken, dass der Schöpfer ihm die Geheimnisse der Tora offenbart. Wenn er die Gründe dagegen bereits versteht, braucht er den Schöpfer nicht mehr, damit Er sie ihm gibt.
Das Wichtigste ist das Kli, also die Sehnsucht nach der Sache. Indem der Mensch Gründe und Erwägungen studiert, vergrößert er sein Bedürfnis, zu verstehen und zu erlangen. Die Erlangung muss jedoch vom Schöpfer kommen. Wenn er nicht studiert, wird er auch kein Bedürfnis danach haben. Dies ist die Bedeutung von: „Er gibt den Weisen Weisheit.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026