645. Aus Deinen Taten erkennen wir Dich
Es ist bekannt, dass das Ziel der Erschaffung der Welten darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Ebenso ist bekannt, dass wir nur von dem sprechen, was sich von Ihm ausbreitet. Doch Ihn Selbst kann kein Gedanke erfassen. Daher ist zu verstehen, wie wir sagen können, der Schöpfungsgedanke sei gewesen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Schließlich erlangen wir Seine Gedanken nicht, wie geschrieben steht: „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken.“
Vielmehr muss man nach der bekannten allgemeinen Regel sagen: „Aus Deinen Taten erkennen wir Dich.“ Dies wurde so erklärt: Durch die Taten erkennen wir Seine Gedanken. Da die Gerechten der Welt des ganzen Guten und Genusses würdig wurden, berieten sie sich aufgrund dieser Tat und kamen zu dem Schluss, dass dies Seine Absicht war: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Daraus folgt, dass alles, worüber wir sprechen, nur den Bereich betrifft, in dem eine Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen besteht. Dort ist bei den Geschöpfen bereits eine Handlung erkennbar, wie geschrieben steht: „Du hast sie alle in Weisheit gemacht.“ Wir sprechen also, wie oben erklärt, nur aus der Sicht der Handlung. So heißt es im Lied der Einheit: „Aus Deinen Taten erkennen wir Dich.“ Doch über den Schöpfer ohne Seine Geschöpfe zu sprechen, dafür fehlen uns Laut und Rede, denn „kein Gedanke kann Ihn überhaupt erfassen“.
Daher darf man nicht fragen, wie wir sagen können, dass die Schöpfung Ihm nichts hinzufügt: Warum erschuf Er sie, wenn sie Ihm keinerlei Zuwachs bringt? Denn damit fragt man, ob der Schöpfer die Schöpfung brauchte, bevor Er sie erschuf. Wir wollen dann also über Ihn vor der Schöpfung sprechen, das heißt, bevor eine Verbindung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen bestand. Doch vor dieser Verbindung gilt, wie oben gesagt: „Kein Gedanke kann Ihn erfassen.“
Wir sehen jedoch, dass dies Seine Absicht war. Der Beweis dafür ist, dass Er uns alles Gute gibt, sobald der Mensch bereit ist, die Gabe des Königs zu empfangen, ohne dass die Gabe irgendeinen Makel aufweist. Das heißt, in ihr darf kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) empfunden werden. Dies ist dann der Fall, wenn die gesamte Absicht des Menschen nur dem Himmel gilt.
Wenn er dann vom Gebenden empfängt, tut er dies ebenfalls mit der oben genannten Absicht: Er will die Gabe des Königs empfangen, weil er spürt, dass dies Sein Wille ist, und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Dann wird er würdig, das ganze Gute und den ganzen Genuss zu empfangen.
Zur weiteren Erläuterung heißt es: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit.“ Und im heiligen Sohar steht: „Es gibt keinen Ort, der von Ihm frei ist.“ Dass wir dies nicht empfinden, liegt daran, dass uns ein Gefäß der Empfindung fehlt.
Wir sehen es an einem Radioempfänger, der alle Töne empfängt, die es in der Welt gibt. Das Empfangsgerät erzeugt die Töne nicht; sie sind in der Welt bereits vorhanden. Bevor wir ein solches Gerät hatten, nahmen wir die Töne nicht wahr, obwohl sie tatsächlich existierten.
Ebenso können wir verstehen, dass es „keinen Ort gibt, der von Ihm frei ist“. Doch dafür brauchen wir ein Empfangsgerät. Dieses Empfangsgerät besteht in Anhaftung (Dwekut) und Angleichung der Form, also im Verlangen zu geben (Razon lehashpia). Sobald wir über dieses Gerät verfügen, werden wir sofort empfinden, dass es keinen Ort gibt, der von Ihm frei ist, sondern: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026