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639. Und dies ist die Ausführung der Menora – 2

20. Siwan 5725 [20. Juni 1965], Zürich

„Dies ist die Ausführung der Menora: aus Gold, von ihrem Schaft bis zu ihrer Blüte ist sie aus einem Stück getrieben. Nach dem Bild, das der Ewige Moses gezeigt hatte, fertigte er die Menora.“

Im Sinne der ethischen Lehre ist zu verstehen, was „aus einem Stück getrieben“ bedeutet. Rashi erklärt: Sie bestand aus einem Goldbarren vom Gewicht eines Talents. Man schlug ihn mit dem Hammer und schnitt ihn mit einem Beil zu, um seine Teile in die richtige Form zu bringen. Sie wurde nicht aus einzelnen Teilen gefertigt, die man miteinander verband.

Das heißt, sie war ein einziges Ganzes, aus dem viele Einzelheiten hervorgingen. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Weg des Judentums und dem Weg der Völker der Welt zeigt sich darin, dass beim Judentum der Glaube die Grundlage sein muss. Die Völker der Welt dagegen gehen den Weg des Wissens. Sie meinen, sie könnten den Schöpfer erlangen, indem sie Ihn erforschen. Deshalb gehen sie Einzelheit für Einzelheit vor, also mithilfe verstandesmäßiger Einsichten, die sie über Ihn gewinnen.

Jedes Mal glauben sie, Ihn besser zu verstehen. Das bedeutet: Sie nehmen Teil für Teil und setzen daraus anschließend eine Menora zusammen. Indem sie Ihn immer besser erkennen, gelangen sie schließlich zur Eigenschaft einer Menora.

Der Weg des Judentums ist dagegen umgekehrt: Man nimmt den Goldbarren, der als Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) bezeichnet wird, weil das hebräische Wort für Gold als „Gib dies“ gedeutet wird, und schlägt ihn mit dem Hammer und so weiter. Das heißt, man arbeitet mit Mocha (Verstand) und Herz. Dies heißt „aus einem Stück getrieben“, weil man den Weg des Glaubens geht. Dann stößt man auf viele Schwierigkeiten, denn der Glaube beginnt gerade dort, wo der Verstand nicht zustimmt. Daher fällt es dem Menschen schwer, den Glauben über dem Verstand anzunehmen.

Der Vers fügt hinzu: „von ihrem Schaft bis zu ihrer Blüte.“ „Ihr Schaft“ bezeichnet die Zeit, in der der Mensch noch in der Verhüllung ist, wie es heißt: „Wie der Schenkel im Verborgenen liegt.“ „Bis zu ihrer Blüte“ bedeutet, dass er bereits zu erblühen beginnt und seine Arbeit auf dieses Erblühen gründen möchte. Auch das ist verboten. Vielmehr muss die Arbeit vom Anfang bis zum Ende in der Form „aus einem Stück getrieben“ erfolgen, „nach dem Bild, das der Ewige gezeigt hatte“. Darin liegt die Bedeutung dessen, dass Moses mit der Ausführung der Menora Schwierigkeiten hatte.

Um die Eigenschaft Chochma zu erlangen, geht man gewöhnlich stufenweise vor: von einem kleinen Verstand zu einem größeren, bis man des wahren Verstandes würdig wird. Hier wird jedoch die umgekehrte Ordnung vorgegeben: Die Grundlage ist der Glaube über dem Verstand.

Gerade dadurch wird man des Verstandes der Heiligkeit (Kedusha) würdig. Zunächst nimmt man also die Arbeit in der Form „aus einem Stück getrieben“ an. Bei der Ausführung der Menora werden keinerlei Teile abgetrennt – das heißt, es gibt keine andere Arbeit als die Eigenschaft des Glaubens.

Gerade durch die Schläge, die als „mit dem Hammer schlagen“ bezeichnet werden, kommt man zur Erlangung der Einzelheiten, sodass man zwischen einer Mizwa und einer anderen unterscheiden kann.

So wird aus dem Goldbarren, der anfangs ein einziges, aus einem Stück getriebenes Ganzes ohne jede Unterscheidung war, später eine Vielzahl von Einzelheiten, die miteinander zu einem Ganzen verbunden sind. Der Weg der Völker der Welt ist dagegen umgekehrt, wie es in der Einleitung in das Buch Sohar1 heißt, dass ein Philosoph Rabbi Shimon fragte und so weiter.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Einleitung in das Buch Sohar, Seite 10. ↩