619. König der Völker
Mishpatim 1964
Der Sohar1 fragt zu dem Vers: „Wer sollte Dich nicht fürchten, König der Völker?“ Ist der Schöpfer etwa König der Völker? Er ist doch König Israels. Und wenn du sagst, dass Er König der Völker genannt wird, wäre dies ein Lob für sie: Der Schöpfer herrscht über sie, und nicht, wie wir sagten, dass sie Seinen Dienern und Beauftragten übergeben sind. Außerdem heißt es am Ende des Verses: „Denn unter allen Weisen der Völker und in all ihren Königreichen ist keiner wie Du.“ All dies wäre ein Lob für die übrigen Völker.
Der Sohar erklärt: Wenn du meinst, „König der Völker“ beziehe sich auf den Schöpfer, ist es nicht so. Vielmehr lautet die Frage: „Welcher König der Völker sollte Dich nicht fürchten?“ Denn „unter allen Weisen der Völker und in all ihren Königreichen ist keiner wie Du“. Welcher Ausspruch hat sich in ihrer Weisheit unter ihnen verbreitet? „Keiner ist wie Du“ – und darin stimmen sie alle überein.
Man muss fragen: Die Wirklichkeit zeigt das doch nicht. Wäre es doch wenigstens so, dass sich unter den Juden der Ausspruch „Keiner ist wie Du“ verbreitete.
Im Sinne der ethischen Lehre kann man sagen: In der Arbeit für den Schöpfer gibt es zwei Zustände – den Zustand vor der Umkehr (Teshuwa) und den Zustand nach der Umkehr.
Im Sohar2 heißt es: „Komm und sieh: Jeder, der dreizehn Jahre und älter geworden ist und dessen würdig wird, wird Sohn der Versammlung Israels (Knesset Israel) genannt. Und jeder, der zwanzig Jahre und älter geworden ist und dessen würdig wird, wird Sohn des Schöpfers genannt. Gewiss: ‚Ihr seid Söhne des Ewigen, eures Gottes.‘“
Wir müssen den Unterschied verstehen zwischen einem Sohn der Versammlung Israels, die Malchut entspricht, und einem Sohn des Schöpfers. Wie erklärt wird, entsprechen die Hand-Tefillin (Gebetsriemen am Arm) dem Glauben, und die Kopf-Tefillin (Gebetsriemen am Kopf) entsprechen der Tora. Ein Gebet (Tefilla) wird „Arbeit im Herzen“ genannt. Den Glauben erwirbt man durch Arbeit, denn er entspricht Malchut, die „arm und mittellos“ genannt wird.
Wenn ein Mensch das Joch des Glaubens auf sich nehmen muss, wehrt sich der Körper dagegen. Deshalb ist große Arbeit nötig, damit er dies überwinden kann.
Die Tora hingegen wird „Geschenk“ genannt, wie unsere Weisen sagten: „Von Mattana nach Nachaliel.“ Zum Unterschied zwischen Glauben und Tora kann man sagen: Der Glaube wird als Almosen (Zedaka) bezeichnet, die Tora als Geschenk. Almosen decken das Notwendige; ein Geschenk geht darüber hinaus.
Wenn zum Beispiel jemand einem Armen einen Sack Mehl gibt, der zwanzig Lira kostet, sagen wir, dass er den Sack Mehl als Almosen erhalten hat. Schickt ihm dagegen jemand eine Uhr, die zwanzig Lira kostet, sagen wir, dass er die Uhr als Geschenk erhalten hat.
Der Glaube ist also notwendig, denn ohne Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel gibt es nichts. Die Tora hingegen ist bereits etwas, das über das Notwendige hinausgeht. Deshalb heißt der Glaube, der erste Zustand, „Sohn der Versammlung Israels“. Der zweite Zustand, der der Tora entspricht, heißt „Sohn des Schöpfers“.
Die Gedanken und Wünsche eines Menschen vor seiner Umkehr werden „Völker“ genannt. Wenn er umkehrt, gilt er als jemand, der über diese Völker herrscht. Daher heißt es: „Welcher König der Völker sollte Dich nicht fürchten?“ Denn wenn er keine Ehrfurcht vor dem Himmel hat, wird er nicht „König der Völker“ genannt. „Denn unter allen Weisen der Völker und in all ihren Königreichen ist keiner wie Du“ – sie alle sagen: „Keiner ist wie Du.“
Man kann sagen: Selbst nachdem er König geworden ist, sagt er, dass seine gesamte Weisheit, seine ganze Herrschaft und jedes Mal, da er über seine Völker Macht hatte, ihm aus dem Aspekt „Keiner ist wie Du“ zukamen. Denn nur der Schöpfer hilft ihm, wie unsere Weisen sagten: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde …“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026