640. Segen und Fluch
Wochenabschnitt Re’eh 5722 [August 1962], Manchester
„Siehe, Ich … den Segen, dass ihr auf die Mizwot des Ewigen, eures Gottes, hört, die Ich euch heute gebiete. Und den Fluch, wenn ihr nicht auf die Mizwot des Ewigen, eures Gottes, hört und von dem Weg abweicht, den Ich euch heute gebiete, um anderen Göttern zu folgen, die ihr nicht kanntet.“
Die Kommentatoren fragen:
1) Warum heißt es beim Segen „dass ihr hört“, beim Fluch dagegen „wenn ihr nicht hört“? Warum heißt es nicht auch beim Segen „wenn ihr hört“?
2) Warum steht beim Fluch zwischen „den Mizwot des Ewigen, eures Gottes“ und „ihr weicht von dem Weg ab, den Ich euch heute gebiete“ eine Unterbrechung, während beim Segen unmittelbar auf „des Ewigen, eures Gottes“ die Worte „die Ich euch heute gebiete“ folgen?
Als Andeutung lässt sich sagen: Der Vers erklärt mit den Worten „den Segen“, was der Segen ist: dass ihr auf die Mizwot des Ewigen, eures Gottes, hört, die Ich euch heute gebiete. Und bei dem Fluch erklärt er, was der Fluch ist: Wenn ihr nicht auf die Mizwot des Ewigen, eures Gottes, hört – was wird dann geschehen? Er erklärt es: „Ihr weicht von dem Weg ab, den Ich euch heute gebiete.“ Was bleibt euch dann? „Anderen Göttern zu folgen, die ihr nicht kanntet.“
Nun ist zu fragen:
1) Warum heißt es beim Segen „dass“, beim Fluch aber „wenn ihr nicht hört“? Warum heißt es nicht auch beim Segen „wenn ihr hört“? Das würde bedeuten, dass es eine Bedingung ist: Wenn ihr hört, werdet ihr Segen empfangen.
2) Warum trennt der Text beim Fluch nach „eures Gottes“ ab und fährt fort: „Ihr weicht von dem Weg ab, den Ich euch heute gebiete“? Und warum heißt es beim Segen nicht ebenfalls: „Ihr geht auf dem Weg, den Ich euch heute gebiete“, sondern: „dass ihr hört … eures Gottes, die Ich euch heute gebiete“?
3) Was bedeutet die Formulierung „dass ihr hört“? Was ist, wenn ihr nicht hört? Geht es hier denn um das Hören? Warum heißt es nicht: „Wenn ihr Meine Gesetze ausführt“ oder „wenn ihr nach ihnen wandelt“? Was bedeutet also „Hören“?
Der Sinn ist: Als Israel die Tora empfing, sagte es: „Wir werden tun und wir werden hören.“ Deshalb geht es hier überall um das Tun, und der Schöpfer erklärt den Lohn, der „Hören“ genannt wird.
Den Segen hat Er also so eingerichtet, dass ihr hört. Und wann werdet ihr erkennen, dass ein Fluch auf euch liegt? Wenn ihr nicht hört, werdet ihr erkennen, dass euer Tun nicht in Ordnung ist. Deshalb heißt es: „Ihr weicht ab“ und „ihr folgt“ – das bezeichnet das Tun. Wenn das Tun dagegen in Ordnung ist, muss daraus Hören entstehen.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026