646. Die Nachkommen Jakobs – Josef
Am Ausgang des heiligen Schabbat, Wochenabschnitt WaYeshev, 5738 [3. Dezember 1977]
„Bewahre seine Heiligung von seinem Eintritt bis zu seinem Ausgang.“ Im heiligen Sohar wird erklärt: „Was ist Schabbat? Der Name des Schöpfers.“
Was bedeutet demnach, dass wir die Heiligung des heiligen Namens bewahren sollen? Ich hätte es anders verstanden: Wir müssen uns selbst heiligen, wie geschrieben steht: „Ihr sollt heilig sein.“
Vielmehr bedeutet es Folgendes: Heiligkeit (Kedusha) nennt man etwas Wichtiges, profan dagegen etwas Unwichtiges. Von Natur aus schätzen wir, was unseren Körper betrifft; ein Mensch schätzt also alles, was seine Eigenliebe betrifft. Wenn er jedoch Handlungen ausführt und nicht sieht, was daraus für seine Eigenliebe entstehen wird, sondern alles auf den Nutzen des Schöpfers ausrichten muss, ist seine Arbeit in seinen Augen nicht wichtig.
Das ist die Bedeutung davon, dass wir den Namen des Schöpfers heiligen müssen: Die Arbeit soll uns wichtig sein, wenn wir um des Himmels willen arbeiten – dies wird „Name des Schöpfers“ genannt. Diese Arbeit soll für uns die Hauptsache sein. Mit der Arbeit des Körpers beschäftigen wir uns nur, damit wir dem Schöpfer mit unserem Körper dienen können. Doch wie gelangt man dazu? Der Körper ist voller Einwände und fragt immer: „Was hast du davon, wenn du um des Himmels willen arbeitest?“
Rashi führt zu dem Vers „Dies sind die Nachkommen Jakobs: Josef“ Folgendes an: „Eine andere Auslegung von ‚Jakob wohnte‘: Bei diesem Flachshändler kamen seine Kamele mit Flachs beladen herein. Der Kohlenhändler wunderte sich: ‚Wo soll all dieser Flachs Platz finden?‘ Ein kluger Mann antwortete ihm: ‚Ein einziger Funke fliegt aus deinem Blasebalg und verbrennt alles.‘“
Man muss fragen: Welche Klugheit liegt darin? Wenn er fragt, wo der Flachs Platz finden soll, müsste ein kluger Mensch ihm doch einen Rat geben, wie er ihn unterbringen kann. Stattdessen rät er ihm, den gesamten Flachs zu verbrennen. Die Antwort passt also nicht zur Frage.
Ebenso muss man verstehen, womit Rashi endet: „So sah Jakob all die oben erwähnten Fürsten, wunderte sich und sagte: ‚Wer kann sie alle bezwingen?‘ Was steht danach geschrieben? ‚Dies sind die Nachkommen Jakobs: Josef.‘ Und es steht geschrieben: ‚Das Haus Jakobs wird zu Feuer, das Haus Josefs zu einer Flamme und das Haus Esaus zu Stroh.‘ Von Josef geht ein Funke aus, der sie alle verzehrt und verbrennt.“ Was bedeutet dann „Das Haus Jakobs wird zu Feuer“? Es hätte doch genügt, wenn geschrieben stünde: „Das Haus Josefs wird zu einer Flamme.“
Das Gleichnis ist vielmehr so zu verstehen: „Wo soll all dieser Flachs Platz finden?“ Wenn der Flachs in den Laden des Kohlenhändlers gelangt, hat er keinen Platz mehr zum Arbeiten. Der Flachs wird ihm zur Last, und er kann ihn nicht mehr hinauswerfen. Deshalb sagte der kluge Mann zu ihm: „Bevor die mit Flachs beladenen Kamele zu dir hereinkommen, entfache einen einzigen Funken; er wird sofort alles verbrennen. Dann können sie keinen Schaden mehr anrichten, obwohl es viele sind.“
Sind sie aber bereits hereingekommen, kannst du sie nicht mehr überwinden und den Flachs hinauswerfen. Denn wenn diese ganze Last auf den Menschen fällt, hat er keine Wahl mehr. Deshalb sagte der kluge Mann zu ihm: „Ein einziger Funke wird alles verbrennen.“
Die Auslegung des Gleichnisses (nimshal) lautet: Als Jakob all die Fürsten sah, wunderte er sich, wie er sie bezwingen könnte. Darauf antwortete man, dass von Josef ein einziger Funke ausgeht. Denn Josef verkörpert die Eigenschaft eines Gerechten (Zaddik), der als Gebender bezeichnet wird. Wenn der Mensch die Eigenschaft des Gebens annimmt, hat er ein Mittel, sie nicht hereinkommen zu lassen; denn durch die Absicht zu geben verbrennen sie sofort.
Lässt er sie jedoch hereinkommen, kann er sie nicht mehr überwinden – wie beim Flachs. Wenn sie hereinkommen und die Schwere der Last auf ihn fällt, kann er sie nicht mehr hinauswerfen.
Das ist die Bedeutung von „Das Haus Josefs wird zu einer Flamme“. Denn eine Flamme ist nichts Beständiges; sie lodert vielmehr in Auf- und Abstiegen auf. Deshalb überwindet er sich jedes Mal sofort, wenn die Einwände Esaus kommen, und entflammt durch die Kraft des Verlangens zu geben (Razon lehashpia). Er lässt jene Fürsten nicht in sein Herz. Aus den vielen Flammen entsteht später ein beständiges Feuer; das ist die Eigenschaft Jakobs.
Das heißt: Indem er bei jedem Auf- und Abstieg immer wieder entflammt, wird er schließlich eines beständigen Feuers würdig.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026