647. Für das Gebet braucht es einen Mangel
13. Tischri 5738 [25. September 1977]
„Rabbi Shimon sagt: … Wenn du betest, mache dein Gebet (Tefilla) nicht zu einer festen Routine, sondern bitte vor dem Schöpfer um Erbarmen und flehe Ihn an.“1 Und über die Tora sagten unsere Weisen: „Hast du feste Zeiten für die Tora bestimmt?“
Man kann sagen, dass mit „Beständigkeit“ gemeint ist: Auch wenn ein Mensch weder Verlangen noch Bedürfnis danach hat, muss er dennoch die Tora studieren. Denn die Tora selbst bringt ihm Heiligkeit (Kedusha), selbst wenn er keinerlei Bedürfnis nach dem Studium verspürt.
Das ist die Bedeutung von „Groß ist das Studium, das zum Handeln führt“: Der Mensch soll zu den Menschen der Tat gehören. Denn wer ein Bedürfnis nach etwas hat, handelt, um es zu erlangen. Das Studium wird ihm daher einen Mangel bringen. Deshalb heißt es: Beständigkeit in der Tora.
Beim Gebet ist es dagegen so, dass dem Menschen etwas fehlt und er darum betet, dass man ihm gibt, was ihm fehlt. Wenn er aber keinen Mangel hat, wie kann er dann bitten, wenn es nichts gibt, worum er beten könnte?
Deshalb sagte Rabbi Shimon: „Mache dein Gebet nicht zu einer festen Routine“, denn das gilt nicht als Gebet. Was aber gilt als Gebet? „Um Erbarmen zu bitten und vor dem Schöpfer zu flehen.“ Das bedeutet: Dem Menschen fehlt etwas, und er bittet den Schöpfer, es ihm zu geben. So verstehen wir, was unsere Weisen sagten: „Man tritt nur in einer Haltung des Ernstes zum Gebet an.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sprüche der Väter 2:18. ↩