589. Und der Ewige führte sie nicht
BeShalach 1977
„Und der Ewige führte sie nicht auf dem Weg durch das Land der Philister, obwohl er nahe war … damit das Volk nicht anderen Sinnes wird, wenn es Krieg sieht, und nach Ägypten zurückkehrt.“
Die Bedeutung von „nahe“ und „fern“: „Nahe“ heißt dem Verstand nahe, und „fern“ heißt vom Verstand entfernt. Denn der Verstand legt nahe, es wäre besser gewesen, wenn der Schöpfer den Weg ins Land Israel – also den Eintritt in die Arbeit für den Schöpfer – so gestaltet hätte, dass jeder, der mit der Arbeit für den Schöpfer beginnt, nach „bitter und süß“ unterscheiden könnte, wie in der Einführung in das Buch Panim Masbirot erklärt wird.
Nach der Sünde am Baum der Erkenntnis erfolgt die Unterscheidung jedoch nach „Gut und Böse“. Das bedeutet: Etwas kann süß sein und ihm dennoch schaden. Umgekehrt kann etwas bitter schmecken und trotzdem zu seinem Besten sein.
Nach dem, was der Mensch mit seinen Augen sieht, müsste daher der süße Geschmack in Tora und Mizwot offenbart sein, während die materiellen Dinge nicht so viel Genuss bieten dürften. Da der Mensch von Natur aus nach Genuss strebt – und diese Natur aus dem Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) hervorgeht –, würde jeder, sobald der Genuss offenbart wäre, das Materielle verachten und seine ganze Kraft in Tora und Mizwot investieren.
Stattdessen sind die Genüsse im Materiellen offenbart, während in Tora und Mizwot Verhüllung herrscht. Wenn ein Mensch zum Beispiel Zizit (Schaufäden) anlegt, empfindet er dabei keinerlei Geschmack. Zieht er dagegen ein neues Kleidungsstück an, empfindet er durchaus Geschmack. Deshalb ist es schwer, Tora und Mizwot einzuhalten. Dies heißt ein „ferner Weg“. Wäre hingegen der Genuss an Tora und Mizwot offenbart, hieße dies ein „naher Weg“.
„Und der Ewige führte sie nicht … damit das Volk nicht anderen Sinnes wird, wenn es Krieg sieht, und nach Ägypten zurückkehrt.“ Denn wenn sie den Krieg sehen, werden sie sagen: „Alles, womit ich mich in Tora und Mizwot befasse, tue ich doch, um Genuss zu haben. Warum sollte ich in den Krieg ziehen, um mehr Genuss zu bekommen? Mir genügt dieser materielle Genuss.“
Wenn Er sie dagegen auf einem fernen Weg führt, erfolgt die Unterscheidung bei Tora und Mizwot nach Gut und Böse. Das bedeutet, dass das ganze Ziel der Arbeit allein darin besteht, zu geben und nicht zu empfangen. Zwar ist dies ein ferner Weg, denn diese Arbeit liegt dem Verstand fern. Doch wenn der Mensch den Weg des Gebens gehen will, gibt es für ihn keinen Anlass umzukehren. Denn wer mit der Arbeit beginnt, weiß, dass man nur auf diesem Weg das Ziel erreichen kann.
In Wahrheit muss man jedoch sagen: Wenn der Genuss an Tora und Mizwot offenbart wäre, welche Arbeit gäbe es dann? Vielmehr ist klar, dass sie um des Himmels willen sein muss. Da es schwer wäre, die Absicht um des Himmels willen auszurichten, würde er sagen, dass er zum Materiellen zurückkehrt. Dort kann er wenigstens Genuss empfangen, auch wenn er gering ist. Im Spirituellen hingegen gibt man ihm nichts, wenn er die Absicht nicht ausrichten kann.
Wenn er die Arbeit dagegen mit der Absicht zu geben beginnt, gewöhnt er sich sofort an den Weg des Gebens. Dann sind die Kämpfe für ihn nichts Neues, sondern er beginnt sofort zu kämpfen. So hat er größere Aussichten auf Erfolg und wird nicht zum Materiellen zurückkehren, also nach Ägypten.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026