578. Die Hälfte des Schekels – 2
Zum Thema des halben Schekels: Es muss genau eine Hälfte sein, weder ein Viertel noch ein Ganzes. Wie im heiligen Sohar erklärt wird, bedeutet „Schekel“ Gewicht – etwas, das man abwägen muss.
Dementsprechend ist zu unterscheiden: Dass ein Mensch seine Taten „abwägen“ muss, bedeutet, eine Wahl zu treffen. Er kann nicht einwenden, dass er arm an Verstand und guten Eigenschaften ist, also ohne Begabung und gute Charaktereigenschaften geboren wurde, weshalb es ihm besonders schwerfällt, den geraden Weg zu gehen.
Anders ist es bei seinen Freunden, die reich geboren wurden: Sie besitzen herausragende Begabungen und von Geburt an gute Eigenschaften. Deshalb fällt es ihnen leichter, die Waage für sich zur Seite des Verdienstes ausschlagen zu lassen.
Darauf antwortet uns der Vers: „Der Reiche soll nicht mehr geben.“ Sein Reichtum verschafft ihm also weder eine bessere Eignung noch mehr Kraft, die Waage zur Seite des Verdienstes ausschlagen zu lassen. „Und der Arme soll nicht weniger geben.“ Seine Armut mindert somit nicht seine Fähigkeit, die nötige Kraft aufzubringen, damit die Waage zur Seite des Verdienstes ausschlägt.
Wenn es darum geht, den Ausschlag zu geben, sind vielmehr alle gleich. Beim Schekel, also wenn ein Mensch seine Taten, Gedanken und Wünsche abwägt, steht es immer halb zu halb. Denn unsere Weisen sagten: „Je größer ein Mensch im Vergleich zu seinem Freund ist, desto größer ist auch sein Böser Trieb (Jezer haRa).“1
Damit es eine Wahl geben kann, müssen die Gewichte gleich sein. Denn wenn beide Waagschalen gleich schwer sind, kann man sagen, dass der Mensch den Ausschlag geben kann. Gibt es dagegen eine Mehrheit und eine Minderheit, kann man nicht von einem Ausschlag sprechen. Dies entspricht dem Ausspruch unserer Weisen: „Ein Mensch soll sich immer so betrachten, als wäre er zur Hälfte schuldig und zur Hälfte unschuldig.“2 Nur dann kann man von einem Ausschlag sprechen.
Das ist die Bedeutung gerade der „Hälfte des Schekels“: Sie lehrt uns, dass der Mensch immer nur eine Hälfte hat. Hat er wenig Gutes, hat er auch wenig Böses; hat er viel Gutes, steht dem entsprechend viel Böses gegenüber. Darauf beziehen sich die Worte: „Das eine dem anderen gegenüber hat Gott gemacht.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026