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561. Die Seele Israels

„Daher wird der Mensch ‚ein Einzelner‘ genannt, um dich zu lehren: Wer eine einzige Seele aus Israel vernichtet, dem rechnet es die Schrift an, als hätte er eine ganze Welt vernichtet; und wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält, dem rechnet es die Schrift an, als hätte er eine ganze Welt am Leben erhalten.“1

Man muss verstehen, weshalb die Schrift dies sagt. Schließlich unterscheidet die Tora zwischen dem Einzelnen und den Vielen: Der Einzelne muss vor den Vielen zurücktreten. Auch der Verstand gebietet, dass ein Einzelner ein Einzelner ist und nicht viele. Weshalb sagt die Schrift also, der Einzelne gleiche den Vielen?

Im Sinne der ethischen Lehre sagten unsere Weisen: „Wer eine einzige Mizwa erfüllt – glücklich ist er, denn er hat sich selbst und die ganze Welt zur Seite des Verdienstes geneigt.“2 Weshalb ist das so? Wir sehen doch, dass es in der Welt Frevler (Rashaim) gibt. Zugleich ist bekannt, dass es in jeder Generation Gerechte gibt, wie unsere Weisen sagten: „Es gibt keine Generation, in der es keinen wie Abraham gibt“, und so weiter.

Dann müsste das Verdienst, das die Gerechten bewirkt haben, in der Allgemeinheit erkennbar sein. Wir sehen jedoch: Wenn jemand auf einem Wissensgebiet eine Entdeckung macht, reicht die Erkenntnis, die dieser Weise hervorgebracht hat, für die gesamte Allgemeinheit aus. Das heißt, wer sich mit diesem Wissensgebiet befassen will, kann von dem profitieren, was der Weise für die Allgemeinheit hervorgebracht hat. Wer sich aber nicht damit befasst, hat selbstverständlich keinerlei Verbindung zu der Neuerung, die der Weise hervorgebracht hat.

Ebenso ist es im Spirituellen: „Wer eine einzige Mizwa erfüllt, neigt die ganze Welt zur Seite des Verdienstes.“ Das heißt, wer sich mit der Arbeit für den Schöpfer befasst, kann von den Lichtern profitieren, die er durch seine Entscheidung erlangt hat.

Daraus folgt: „Wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält“, also wer die Waage zur Seite des Verdienstes ausschlagen ließ, erhält seine eigene Seele am Leben; denn die Frevler werden bereits zu Lebzeiten „tot“ genannt. Ohne diese Entscheidung steht es „halb zu halb“ – wie bei einem Menschen, der zwischen Leben und Tod schwebt. Indem er die Waage ausschlagen lässt, gelangt er in den Zustand eines Lebenden. Somit reichen die Lichter, die er herangezogen hat, für die gesamte Allgemeinheit aus.

Das ist die Bedeutung davon, dass die Welt auf einem einzigen Gerechten ruht: Das Licht, das er herangezogen hat, folgt dem Grundsatz „Eine Kerze für einen ist eine Kerze für hundert“. Wer daher seine Seele zugrunde richtet, indem er die Waage zur Seite der Schuld ausschlagen lässt, richtet eine ganze Welt zugrunde. Denn er verhindert, dass sich jenes Licht offenbart, das für die ganze Welt ausgereicht hätte. Das ist die Bedeutung des Ausspruchs: „Der Mensch ist verpflichtet zu sagen: ‚Für mich wurde die Welt erschaffen.‘“

Darum heißt es genau: „Wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält.“ Gemeint ist eine Seele in der Eigenschaft Israel, nicht aber in den Völkern der Welt; denn gemeint ist die Entscheidung Israels, die als ein Ausschlagen der Waage zur Seite des Verdienstes bezeichnet wird.

Daher deutet dies auf Israel hin, wie es heißt: „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt, doch die Völker der Welt werden nicht ‚Mensch‘ genannt.“ Denn alles Spirituelle muss einen Halt im Materiellen haben. Wenn jemand daher eine materielle Seele Israels am Leben erhält, gilt für ihn dasselbe wie für jemanden, der eine spirituelle Seele Israels am Leben erhält. Denn im Verhältnis von Zweig und Wurzel weist die materielle Seele Israels auf die spirituelle Seele hin. Man muss jedoch wissen, dass sich die eigentliche Absicht auf das Spirituelle richtet.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Sanhedrin 37a. ↩

  2. Kiddushin 40b. ↩