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545. Mühe und Fund

20. Ijar 5737 [8. Mai 1977], Tiberias

Im Midrash Rabba heißt es: „Wer Mich fürchtet und die Worte der Tora erfüllt, dem sind alle Weisheit und die gesamte Tora ins Herz gegeben.“

Nach dem oben Erklärten ist zu fragen: „Ich habe mich nicht bemüht und gefunden – glaube es nicht.“ Wie kann man dann der Tora ohne Mühe würdig werden? Außerdem stellt sich die bekannte Frage: Wie passen Mühe und Fund zusammen? Einen Fund macht man doch unverhofft. Was bedeutet also die Formulierung „Mühe und Fund“?

Nach dem oben angeführten Midrash lässt sich sagen: Wenn ein Mensch sich um Ehrfurcht (Jira) bemüht – Ehrfurcht bezeichnet hier den Glauben, dass man dem Schöpfer nicht nahekommen kann, ohne sich Ihm in der Form anzugleichen, nämlich im Verlangen zu geben (Razon lehashpia) – und seine Mühe auf das Verlangen zu geben richtet, wird er eines Fundes würdig. Der Schöpfer gibt ihm dann Tora und Weisheit, wie es in dem erwähnten Midrash heißt.

In Wahrheit ist zu fragen: Warum ist gerade für die Tora des Schöpfers Mühe nötig, während man andere Wissenschaften ohne Mühe erlangen kann? Wir sehen doch, dass man nichts ohne Mühe erreicht.

Man kann jedoch sagen: Was unsere Weisen als Mühe bezeichnen, durch die man zur Tora gelangt, ist etwas anderes als die Anstrengung in anderen Wissenschaften. Um andere Wissenschaften zu erlangen, braucht der Mensch intellektuelle Anstrengung. Indem er sich bemüht, die behandelten Dinge zu verstehen, gelangt er zu ihrer Erkenntnis und erfasst die Wissenschaften, die er lernt.

Bei der Tora ist es anders. Die wahre Tora heißt „Geschenk“, und bei einem Geschenk ist von Mühe keine Rede. Ein Geschenk hängt nicht von der Anstrengung des Empfängers ab, sondern vom Willen des Gebers: Wenn er will, macht er demjenigen Geschenke, dem er sie geben möchte. Wie kann man also bei der Tora von Mühe sprechen?

Wir sehen jedoch, dass ein Mensch, der Geschenke verteilen möchte, sie gewöhnlich denen gibt, die er liebt. Wenn der Empfänger also ein Geschenk erhalten möchte, kann man nicht sagen, er solle den Geber um ein Geschenk bitten. Vielmehr bemüht er sich darum, dass der Geber erkennt, dass er zu denen gehört, die ihn lieben. Dann gibt ihm der Geber von selbst Geschenke.

Daraus folgt: Um des Geschenks der Tora würdig zu werden, muss er sich in vielerlei Handlungen darum bemühen, dass der Geber erkennt, dass er zu denen gehört, die Ihn lieben. Dann gibt Er ihm von selbst Geschenke.

Es ist eine große Mühe, den Schöpfer erkennen zu lassen, dass man zu denen gehört, die Ihn lieben. Denn der Mensch muss sich darum bemühen, nichts anderes zu begehren. Sein ganzes Streben soll vielmehr darauf gerichtet sein, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten – nicht aus Eigenliebe, sondern aus Liebe zum Schöpfer. Das ist eine große Mühe, weil sie seiner Natur entgegensteht, mit der er erschaffen wurde.

Durch diese Mühe wird er zu einem von denen, die den König lieben. Dann gibt ihm der Schöpfer dies als Geschenk.

Daher kann man hier von Mühe sprechen: Der Mensch bemüht sich, den König zu lieben und nicht für den eigenen Nutzen zu handeln, sondern dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Dann gilt: „Ich habe gefunden.“ Der Schöpfer gibt dem Menschen das Gute und den Genuss wie einen Fund, weil dieser sich in die entgegengesetzte Richtung bemüht hat – nämlich dem Schöpfer zu geben. Ein Fund bedeutet, dass der Schöpfer dem Menschen Freude und Genuss gibt.

Kurzfassung des oben Gesagten:

1) Warum kann man die Tora nicht ohne Mühe erwerben? Das klingt so, als ließen sich andere Wissenschaften ohne Mühe erwerben.

2) Worin besteht die Mühe, die gerade bei der Tora erforderlich ist?

3) Warum heißt die Tora „Fund“? Wenn sie unverhofft kommt, wie ein Fund, wie kann man dann von Mühe sprechen?

4) Die Tora ist doch ein Geschenk und kein Fund.

5) Wenn die Tora ein Geschenk heißt, wie kann man dann von Mühe sprechen, um ein Geschenk zu erhalten? Das Kli (Gefäß) für ein Geschenk heißt doch Liebe; Geschenke gibt man denen, die man liebt.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026