538. Siehe, Ich gebe ihm Meinen Bund des Friedens
HaZorim, Wochenabschnitt Pinchas 5732 [Juli 1972]
Es heißt: „Siehe, Ich gebe ihm Meinen Bund des Friedens.“ Man muss fragen: Bekanntlich wird einem Menschen nach dem Maß zugemessen, mit dem er selbst misst – Maß für Maß. Doch hier vollzog Pinchas eine Tötung und tötete die beiden. Wie hängt das damit zusammen, dass ihm der Zustand des Friedens zusteht? Welches „Maß für Maß“ liegt hier vor?
Bekanntlich besteht das Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Doch wegen der Verschiedenheit der Form, die den Gebenden vom Empfangenden trennt, wird die Fülle nicht herabgezogen, damit es nicht zur Trennung kommt. Deshalb hat jeder Mensch Klagen und Forderungen an den Schöpfer.
So ist es auch zwischen einem Menschen und seinem Nächsten: Solange einem Menschen nichts fehlt, streitet er nicht mit dem anderen. Alle Streitigkeiten entstehen daraus, dass er in sich einen Mangel empfindet. Deshalb hat er Klagen und Streit mit seinem Nächsten und ebenso mit dem Schöpfer: Warum erfüllt der Schöpfer nicht seinen Wunsch nach dem, was ihm fehlt?
In Wahrheit wird die Ausbreitung der Fülle nach unten dadurch verhindert, dass es an Angleichung der Form fehlt – also an einem Gefäß, das geeignet ist, um des Himmels willen zu empfangen. Bekanntlich entstehen alle Sünden nur aus dem Empfangen für sich selbst. Daher wurden durch Simris Sünde die zum Empfangen geeigneten Gefäße verdorben; er bewirkte, dass die Kanäle der Fülle verstopft wurden und sie sich nicht nach unten ausbreiten konnte.
Dadurch nahmen die Streitigkeiten sowohl zwischen einem Menschen und seinem Nächsten als auch zwischen einem Menschen und dem Schöpfer zu. Denn durch die Sünde wurde das Gefäß des Empfangens für sich selbst vergrößert; zugleich gelangten keine guten Gaben mehr nach unten.
Als Pinchas sie daher tötete, korrigierte er die Gefäße wieder, sodass sie geeignet waren, die Fülle von oben zu empfangen. Dadurch entstand Frieden zwischen Mensch und Schöpfer, weil der Schöpfer wieder alles Gute gibt. Das bedeutet: „Er wandte Meinen Zorn ab“, denn das Verlangen des Schöpfers ist es, zu geben; Simri bewirkte, dass Er aufhörte zu geben.
Ebenso entstand Frieden zwischen einem Menschen und seinem Nächsten, weil bei jedem sein Gefäß des Empfangens korrigiert war; somit hatte er keinen Grund mehr, mit seinem Nächsten zu streiten. Daher sagt die Schrift: „Darum sprich: Siehe, Ich gebe ihm Meinen Bund des Friedens“, weil er durch die Tat, die er vollbrachte, den Frieden herbeiführte.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026