531. Das Wesentliche der Korrektur
Shlach 5737 [Juni 1977]
Rabbi Yannai sagt: „Wir haben weder die Ruhe der Frevler (Rashaim) noch die Leiden der Gerechten.“1 Das ist ähnlich auszulegen wie die Worte Ravas an die Weisen: „Ich bitte euch: Erbt nicht zweimal die Hölle.“2
Bekanntlich bedeuten die Leiden der Gerechten, dass ein Mensch nur mit der Absicht zu geben arbeiten will. Gelingt ihm das nicht, wird dies Leiden genannt. Das nennt man Erkenntnis des Bösen: Ihm wird klar, dass es für ihn nichts Schlimmeres auf der Welt gibt als den Bösen Trieb (Jezer haRa); denn dieser hindert ihn daran, das Gute und den Genuss zu erlangen, die der Schöpfer für die Geschöpfe vorbereitet hat.
Die wesentliche Korrektur, die wir vollziehen müssen, besteht darin, zur Angleichung der Form zu gelangen; deshalb erfolgte der Zimzum (Einschränkung). Wenn ein Mensch spürt, dass allein der Böse Trieb ihn daran hindert, vollzieht er gewiss Umkehr (Teshuwa): Er bemüht sich, zur Angleichung zu gelangen. Und in dem Maß, in dem er die Leiden empfindet, entfernt er sich von ihm.
Darüber heißt es: „Glücklich ist der Mensch, den Du züchtigst, Ewiger.“ Ebenso: „Wen der Ewige liebt, den weist Er zurecht.“ Um zu dieser Empfindung zu gelangen, braucht man also die Hilfe des Schöpfers.
Dies meint Rabbi Yannai mit den Worten: „Wir haben nicht die Ruhe der Frevler.“ Wenn die Frevler Füllung für ihren Mangel erhalten, sind sie ruhig und brauchen nichts weiter. Wer hingegen den Weg der Wahrheit gehen will, findet darin keine innere Befriedigung, weil er weiß, dass das Wesentliche des Lebens darin besteht, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen, also zum Geben.
Wenn ein Mensch also Füllung für seine Mängel erhält, verschafft ihm das keine Ruhe, aus der ihn nichts mehr aufrütteln würde, denn dies ist keine Vollkommenheit. Doch darunter, dass der Körper Füllungen empfängt, leidet er ebenfalls nicht. Daher kann er in seinem gegenwärtigen Zustand bleiben.
Bei den Gerechten ist es anders: Wenn sie in einen Zustand der Selbstliebe fallen, leiden sie darunter und wollen vor diesen Leiden fliehen. Dann wechseln sie auf die Seite der Heiligkeit (Kedusha). Bei den Frevlern ist es umgekehrt: Sie empfinden nun volle Befriedigung.
Wer sich jedoch in der Mitte befindet, geht auf beiden Seiten leer aus. Das wird „zweifache Hölle“ genannt. Deshalb sagte er: „Wir haben weder die Ruhe der Frevler“, also ihre Befriedigung, „noch die Leiden der Gerechten“, denn er hat den Zustand „Wen der Ewige liebt, den weist Er zurecht“ noch nicht erreicht.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026