506. Er rettete uns aus der Hand der Hirten
Am Ausgang des Schabbat, Wochenabschnitt Shemot, 5738 [31. Dezember 1977]
„Moses sagte: … ‚Sie werden mich fragen: Wie ist Sein Name? Was soll ich ihnen sagen?‘ Und Gott sprach zu Moses: ‚Ich werde sein, der Ich sein werde.‘ Und Er sprach: ‚So sollst du zu den Söhnen Israels sagen: Ich werde sein hat mich zu euch gesandt.‘“ Rashi erklärt: „Ich werde in dieser Bedrängnis bei ihnen sein, wie Ich bei ihnen sein werde, wenn die übrigen Königreiche sie unterwerfen.“
Moses sagte vor Ihm: „Herrscher der Welt, warum soll ich ihnen eine weitere Bedrängnis nennen? Diese eine ist ihnen genug.“ Er antwortete: „Du hast recht. So sollst du zu den Söhnen Israels sagen: ‚Ich werde sein hat mich zu euch gesandt.‘“ Rashi erklärt, dass der Schöpfer das zurücknahm, was Er zuvor Moses allein gesagt hatte: Zu Moses sagte Er zweimal „Ich werde sein“, zu Israel dagegen nur einmal „Ich werde sein“.1
„Und sie sagten: ‚Ein ägyptischer Mann hat uns aus der Hand der Hirten gerettet‘“ usw. Im Midrash heißt es in einem Gleichnis: Ein Mann wurde von einem Arod (einem giftigen Tier) gebissen und lief zum Wasser, um seine Füße hineinzustellen. Als er sie in den Fluss stellte, sah er ein Kind, das im Wasser versank. Er streckte seine Hand aus und rettete es.
Das Kind sagte zu ihm: „Wenn du nicht gewesen wärst, wäre ich schon tot.“ Er antwortete: „Nicht ich habe dich gerettet, sondern der Arod, der mich gebissen hat und vor dem ich geflohen bin – er hat dich gerettet.“ Deshalb sagten sie zu ihrem Vater: „Ein ägyptischer Mann hat uns aus der Hand der Hirten gerettet.“ Wer bewirkte also, dass Moses zu ihnen kam? Der ägyptische Mann, den er getötet hatte.
Was will uns dies lehren? Man kann es als Andeutung verstehen. Moses sollte zum gesamten Volk Israel kommen und ihm sagen, dass der Schöpfer es aus dem Exil führen wird. Da sagte Er zu ihm einmal „Ich werde sein“. Das bedeutet: In dieser Hinsicht haben sie nur ein Exil – Israel befindet sich im Exil bei den Völkern der Welt.
Dabei muss man den nichtisraelitischen Anteil in Israel unterscheiden, der unter den Völkern im Exil ist: Der Mensch will, was die Völker wollen, nämlich alle materiellen Dinge, doch die Völker geben ihm nicht, was er will. Die Völker der Welt herrschen über diesen Anteil im Volk Israel. Das heißt „materielles Exil“.
Das eigentliche Exil betrifft jedoch die Eigenschaft Israel im Menschen: Er soll die Tora und die Mizwot einhalten, doch die Völker in ihm selbst lassen ihm nicht die Freiheit, zu tun, was er will. Dann fühlt der Mensch, dass er im eigenen Körper im Exil ist. Solange er dieses Exil, also die materiellen Begierden, nicht verlässt, kann er keine spirituellen Genüsse aus Tora und Mizwot empfinden.
Dann macht man dem Körper verständlich, dass es sich für ihn lohnt, auf materielle Begierden zu verzichten, weil er dadurch wahrer Genüsse würdig wird. Sobald der Mensch jedoch beginnt, auf materielle Begierden zu verzichten, will der Körper seine Herrschaft zeigen und widersetzt sich seinen Handlungen. Davon spricht der Vers: „Seit ich zum Pharao gekommen bin, um in Deinem Namen zu reden, hat er diesem Volk Böses getan, und gerettet hast Du Dein Volk nicht.“
Bevor man beginnt, mit dem Körper zu sprechen, der „der frevlerische Pharao“ heißt – „in Deinem Namen zu reden“, also um des Schöpfers willen auf alles zu verzichten –, erkennt man die Niedrigkeit des Körpers und beginnt, das Exil zu empfinden. Dies ist das einmalige „Ich werde sein“, also diese eine Bedrängnis. Sie betrifft das gesamte Volk Israel.
Es gibt jedoch auch eine Arbeit, die „Eigenschaft Moses“ heißt: die Eigenschaft der Tora. Sie ist die zweite Bedrängnis. Wenn der Mensch bereits spiritueller Genüsse würdig geworden ist, besteht seine Bedrängnis darin, dass er die Absicht dabei nicht um des Gebens willen ausrichten kann. Er muss sich also entscheiden: Wenn es nicht um einer Mizwa willen geschieht, verzichtet er auf die spirituellen Genüsse. Das ist schwerer, als auf materielle Genüsse zu verzichten, denn je größer der Genuss ist, desto schwerer fällt der Verzicht darauf.
Dies heißt das zweite „Ich werde sein“, also eine weitere Bedrängnis. Sie betrifft jedoch nur die Söhne der Tora, die als „Eigenschaft Moses“ bezeichnet werden. Dies soll nicht das gesamte Volk Israel lernen, sondern die Söhne der Tora. Sie müssen wissen, dass auch spirituelle Genüsse nicht zum eigenen Nutzen empfangen werden dürfen, sondern nur um des Gebens willen. Das wird Massach (Schirm) und Awiut (Grobheit) genannt.
Der Schöpfer versprach Moses, dass Er sie aus der ersten und aus der zweiten Bedrängnis führen werde. Man muss jedoch wissen, dass der entscheidende Auszug der aus der ersten Bedrängnis ist – der Auszug aus den materiellen Begierden. Ohne ihn kann man keine spirituellen Genüsse erlangen.
Dies erklärt das Gleichnis des Midrash über den „ägyptischen Mann, der uns aus der Hand der Hirten rettete“. Dass Moses den Ägypter tötete, ist die erste Ursache, an die man sich auch später erinnern muss, wenn man in den zweiten Zustand kommt: in das Exil angesichts spiritueller Genüsse, die man um des Gebens willen empfangen muss, während der Körper dem nicht zustimmt. „Er tötete den Ägypter“ bezieht sich also auf die materiellen Begierden, die als „Eigenschaft Ägypter“ bezeichnet werden.
Die zweite Bedrängnis dagegen gehört bereits zur Eigenschaft Israel: Der Mensch hat spirituelle Genüsse und ist dennoch in Bedrängnis, weil er sich überwinden muss, um des Gebens willen zu handeln, und weil der Schöpfer ihn auch aus dieser Bedrängnis erlösen muss.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Berachot 9b. ↩