502. Wenn der Mensch siegt, freut sich der Schöpfer
„Der Verkäufer ist betrübt usw., während der Schöpfer sich freut.“
Man fragt: Inwiefern ist das mit einem Verkäufer vergleichbar? Schließlich bleibt der verkaufte Gegenstand nicht beim Verkäufer. Beim Schöpfer hingegen ist es anders: Obwohl Er dem Volk Israel die Tora gab, blieb die Tora auch bei Ihm. Denn die Tora ist nichts Materielles, sodass man sagen könnte, sie bliebe nicht mehr bei Ihm, nachdem Er sie den Geschöpfen gegeben hat.
Manche möchten erklären, dies beziehe sich auf den Vers, den wir über die Tora sagen: „Sie ist nicht im Himmel.“ Denn dem Volk Israel wurde die Vollmacht gegeben, die Halacha (das religiöse Gesetz) festzulegen.
Man kann erklären, dass wir die Tora auf zwei Arten verstehen:
1) Die Tora, deren Licht den Menschen zum Guten zurückführt, wie es heißt: „Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, um den Bösen Trieb (Jezer haRa) zu würzen.
2) Die Tora, die als „Kein Auge hat es gesehen“ bezeichnet wird.
Die Absicht des Schöpfers ist, dass die Unteren Genuss empfangen. Der Mensch jedoch gebraucht die Tora in entgegengesetzter Weise: Er möchte, dass der Schöpfer Genuss empfängt. Diese Kraft erhält er von der Tora, und zwar aus ihrer Funktion als Gewürz, wie oben erklärt. So kämpft der Mensch gewissermaßen mit dem Schöpfer: Der Schöpfer möchte, dass der Mensch Genuss empfängt, während der Mensch möchte, dass der Schöpfer Genuss empfängt.
Somit gebraucht er die Tora in der entgegengesetzten Richtung wie der Verkäufer. Darüber sagten sie, dass der Schöpfer spricht: „Meine Söhne haben Mich besiegt.“ Das bedeutet: Sie kämpfen gegen das Verlangen zu empfangen, das der Schöpfer in ihre Herzen gelegt hat. Wenn der Mensch siegt, freut sich der Schöpfer.
Daraus folgt: Die „Tora des Schöpfers“ richtet sich nach dem Schöpfungsziel. „Seine Tora“ heißt sie dagegen, wenn der Mensch sie in ihrer Funktion als Gewürz gebraucht, wenn er also die Tora nimmt, um dem Schöpfer Genuss zu bereiten. Deshalb wird die Tora nach dem Menschen benannt.
Denn die Tora wird nach ihrem Gebrauch benannt: Möchte der Mensch die Tora mit der Absicht des Schöpfers empfangen – den Geschöpfen Gutes zu tun, damit sie Genuss haben –, heißt sie „Tora des Schöpfers“, weil sie der Linie des Schöpfers folgt. Nimmt der Mensch die Tora dagegen, um die Kraft zu haben zu geben, gilt dies als die Absicht des Menschen: Er möchte seinem Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) bereiten. Dann heißt sie „seine Tora“.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026