509. Die Offenbarung der Liebe des Schöpfers
„Und Er leuchtete ihnen von Seir.“ Das bedeutet: Weil die Söhne Seirs sagten, dass sie die Tora nicht empfangen wollen, leuchtete Er für Israel und schenkte ihm zusätzliches Licht und große Liebe. „Er erschien vom Berg Paran.“ Weil die Söhne Parans sagten, dass sie die Tora nicht empfangen wollen, wurden Israel dadurch zusätzliche Liebe und Erleuchtung zuteil, wie es sich gehört.1
Man muss fragen, warum die Liebe zu Israel davon abhängig ist, dass die Völker der Welt die Tora nicht empfangen wollten. Daraus folgt: Hätten die Völker der Welt die Tora empfangen, hätte es keinen Raum für die Liebe zu Israel gegeben.
Ist es denkbar, dass jemand, der einen anderen liebt und ihm seine Liebe zeigen will, seine Liebe damit begründet, dass sein Freund nicht auf ihn hören will, und ihn gerade deshalb liebt? Ist das ein Lob oder ein Tadel? Schließlich macht er seine Liebe von seinem Freund abhängig: Dieser ist die Ursache, während er selbst aus eigenem Antrieb keine Liebe zu ihm hat.
Der Sinn ist: Die Söhne Seirs und die Söhne Parans gibt es in jedem Menschen. Das Böse im Menschen hat viele Namen; es wird jeweils nach seiner Handlung benannt. Die Liebe zum Volk Israel zeigt sich darin, dass das Böse im Menschen die Tora und die Mizwot nicht annehmen will und der Mensch dieses Böse überwindet. Dadurch werden dem Volk Israel Erleuchtungen zuteil.
In Wahrheit will der Schöpfer den Geschöpfen mehr geben, als sie empfangen wollen. Doch wegen des Brotes der Schande (Nahama deKisufa) gibt es eine Korrektur: Der Mensch muss zuerst seine Wahl zeigen. Sobald er seine Wahl zeigt, wird ihm sofort die Liebe offenbart, die der Schöpfer zu ihm hat.
Von Wahl kann man gerade dann sprechen, wenn das Böse in ihm seine Kraft zeigt, das heißt, wenn es sich seiner Beschäftigung mit Tora und Mizwot widersetzt. Daraus folgt: Gerade wenn die Völker der Welt im Menschen die Kraft ihres Widerstands zeigen, gibt es Raum für die Wahl.
Gerade weil die Söhne Seirs und Parans die Tora nicht empfangen wollen, entsteht somit der Raum, in dem der Schöpfer ihm Seine Liebe offenbaren kann, denn der Mensch hat bereits seine eigene Kraft gezeigt.
Wenn sie sich ihm dagegen nicht widersetzen, hat er keine Gelegenheit, seine Wahl zu zeigen. Folglich kann der Schöpfer ihm Seine Liebe nicht offenbaren; denn wenn Er dem Menschen Seine Liebe offenbaren würde, gäbe es keine Möglichkeit zur Wahl mehr.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sohar, Chukat, Punkt 55 im Sulam. ↩