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555. Das Exil der Shechina

Das Exil der Shechina (göttlichen Gegenwart) bedeutet, dass alle sie vertreiben und sie keinen Ort hat, an dem sie unter den Unteren wohnen kann, denn die Unteren laden die Sitra Achra (andere Seite) ein. Wenn sie kommt und eintreten will, verschließt man die Türen von Liba (Herz) und Mocha (Verstand). Das heißt: Wenn es um Angelegenheiten geht, die auf dem Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) beruhen – sei es im Denken, Sprechen oder Handeln –, sind alle bereit, für sie zu arbeiten und sich anzustrengen.

Wenn dagegen die heilige Shechina kommt, also das Verlangen zu geben (Razon lehashpia) – sei es in Mocha oder in Liba –, verlieren sie sofort die Werkzeuge für Arbeit und Anstrengung. Und wenn sie manchmal doch etwas für sie tun, betrachten sie es als etwas Überflüssiges in der Welt. Das heißt: Sie wären glücklicher, wenn diese Eigenschaft gar nicht existieren würde.

Denn manchmal befindet sich der Mensch in einem Zustand der Ruhe. Dann kommt der Gedanke an das Verlangen zu geben, klopft an und bittet um Erlaubnis einzutreten. Doch man antwortet ihm, man habe keine Zeit, weil man mit dem Verlangen zu empfangen beschäftigt ist. Denn das Verlangen zu geben kommt und beeinträchtigt die Genüsse des Verlangens zu empfangen.

Das bedeutet, dass die heilige Shechina von Tür zu Tür zieht und verachtet wird, so wie man einen Armen verachtet, der von Tür zu Tür zieht. Bei den Sepharden gibt es den Brauch, dem Armen zu antworten: „Der Schöpfer möge Erbarmen haben.“ Doch vorerst gibt es keinen Platz für sie.

Die Erlösung besteht darin, dass der Erlöser kommt und sie in die Herzen des Volkes Israel einbringt. Dann wird sie die „Herrin“ sein und das Verlangen zu empfangen die „Magd“. Jeder wird sich danach sehnen, sich an ihr zu erfreuen. Nur der Messias des Schöpfers kann sie aus ihren Nöten erlösen, sodass sie nicht mehr von Tür zu Tür ziehen muss. Und nur der Messias des Schöpfers kann ihre Pracht und Kostbarkeit enthüllen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026