579. Und Ich werde das Steinerne Herz entfernen
Purim 1977
Mit dem steinernen Herzen ist gemeint, dass der Mensch verstehen will, ob es sich für ihn lohnt, ohne die Absicht auf eine Belohnung zu arbeiten. Der Mensch kann dies nicht begreifen, weil es unserer Natur widerspricht: Wir wurden mit dem Verlangen geboren, für uns selbst zu empfangen. Deshalb muss der Mensch seine Arbeit im Glauben über dem Verstand verrichten. Auch wenn er nicht versteht, wie man diese Stufe erreichen kann: Sie ist ein Geschenk des Schöpfers.
Dies wird so ausgedrückt: „Wenn der Schöpfer ihm nicht hilft, kann er ihn nicht überwinden.“ Und dies heißt: „Und Ich werde das Steinerne Herz entfernen.“ Nur der Schöpfer kann ihm diese Kraft geben, sodass der Körper einwilligt, ohne die Absicht auf eine Belohnung zu arbeiten. Der Mensch seinerseits muss jedoch nur beginnen. Wenn er danach strebt, diese Stufe zu erreichen, Handlungen der Tora und der Mizwot ausführt und betet, um dorthin zu gelangen, hilft ihm der Schöpfer.
Zuvor jedoch, solange es kein Erwachen von unten (Itaruta deLetata) gibt, kommt keine Hilfe von oben. Das wird Arbeit des Menschen genannt: das, was der Mensch tun muss. Denn ein Gebet (Tefilla) kann nur erhört werden, wenn es von unten ein Gebet gibt. Dies heißt „Erheben von MaN“: Der Mensch erhebt seinen Mangel, also das, was ihm fehlt, und bittet den Schöpfer, diesen Mangel zu erfüllen.
Wenn er also einen Mangel darin hat, dass er nicht ohne die Absicht auf eine Belohnung arbeiten kann, gibt der Schöpfer ihm Mejn Duchrin (männliches Wasser), also die Füllung dieses Mangels: Der Schöpfer gibt ihm diese Kraft. Bittet der Mensch jedoch nicht darum, die Fähigkeit zu erhalten, ohne die Absicht auf eine Belohnung zu arbeiten, kann von einer Füllung des Mangels keine Rede sein.
Damit der Mensch empfindet, dass dies ein Mangel ist, braucht er eine besondere Erziehung; andernfalls empfindet er es nicht als Mangel. Der Mensch spürt lediglich einen Mangel an Licht: dass er nicht den Genuss an Tora und Gebet hat, den er seiner Ansicht nach haben sollte. Den Mangel an einem Kli (Gefäß) hingegen – und gerade dies ist der wahre Mangel – kann nicht jeder empfinden.
Deshalb erzieht man die Menschen nur dazu, einen Mangel an Licht wahrzunehmen, nicht aber einen Mangel an einem Kli. Denn für das Licht, das in ihm leuchten soll, besitzt der Mensch bereits ein Kli: Das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) spürt nur einen Mangel an Genuss, weil dies zu einem Empfangsgefäß gehört. Ein Mangel an einem Kli dagegen ist einem Empfangsgefäß entgegengesetzt; deshalb empfindet der Mensch ihn von Natur aus nicht. Aus diesem Grund kann man die Allgemeinheit nicht im Hinblick auf diesen Mangel erziehen, sondern nur im Hinblick auf den Mangel an Licht.
Für diesen Mangel braucht es daher eine besondere Erziehung. Doch auch auf diese Weise kann man nicht alle Menschen erziehen, sondern nur Menschen, die die Eigenschaft der Wahrheit besitzen. Nur sie können auf diese Weise erzogen werden.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026