581. Die Handlung entscheidet
Im Sohar, Abschnitt WaJera, heißt es: „Warum bei den Terebinthen Mamres und nicht an einem anderen Ort?“ Die Antwort lautet: weil Mamre ihm wegen seiner Beschneidung einen Rat gab. Als der Schöpfer Abraham sagte, er solle sich beschneiden, ging Abraham zu seinen Freunden, um sie um Rat zu fragen. Aner sagte zu ihm: „Du bist schon über neunzig Jahre alt, und du willst dir Schmerzen zufügen?“
Mamre sagte zu ihm: „Erinnere dich an den Tag, an dem die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen, an die Hungersnot, die über die Welt kam … und an jene Könige, die deine Männer verfolgten und die du schlugst. Der Schöpfer rettete dich vor ihnen allen … Kum, awid pkuda de-marach“, das bedeutet: „Steh auf und erfülle die Mizwa deines Herrn.“
Man muss die bekannte Frage verstehen: Wie ist es möglich, dass der Schöpfer Abraham auffordert, sich zu beschneiden, und Abraham Rat darüber einholt, ob er auf die Stimme des Schöpfers hören soll? Wie kann das sein?
Außerdem ist zu fragen: Inwiefern war Mamres Rat besser als der seines Freundes Aner? Schließlich gaben beide ihm einen Rat. Und nach der Erklärung im Midrash Rabba 42 rieten Aner und Eschkol ihm, sich nicht beschneiden zu lassen, während Mamre ihm zur Beschneidung riet. Wie konnte Abraham also Mamres Entscheidung annehmen, wenn einer gegen zwei stand?
Man kann erklären: Die Aufforderung des Schöpfers, sich zu beschneiden, betrifft Abrahams Körper, der die Mizwa des Schöpfers erfüllen soll. Da der Mensch einen Guten Trieb (Jezer haTov) und einen Bösen Trieb (Jezer haRa) hat, muss er prüfen, ob der Körper bereit ist, die Mizwa zu erfüllen.
Das ist damit gemeint, dass Abraham seine Freunde befragte – den Guten Trieb und den Bösen Trieb. Wenn nun der eine sagt: „Alles gehört mir“, und der andere ebenfalls sagt: „Alles gehört mir“, wie kann er dann entscheiden? Jeder lässt ihn glauben, dass er im Recht ist. Deshalb brauchte Abraham einen Rat, wie er den Bösen Trieb besiegen kann, denn beide lassen ihn glauben, dass ihre jeweilige Sichtweise in dieser Sache richtig ist.
Dies lässt sich anhand des Satzes verstehen: „Der Mensch soll sich immer als zur Hälfte schuldig und zur Hälfte unschuldig ansehen. Hat er eine Mizwa getan …, hat er eine Übertretung begangen ….“1 Wenn beides also genau im Gleichgewicht ist, wer kann dann entscheiden?
Die Antwort liegt vielmehr im Wort „getan“. Denn nicht der Verstand entscheidet, sondern nur die Tat. Erst nachdem der Mensch eine Handlung ausgeführt hat, erschließt ihm der Verstand, ob sie gut war oder das Gegenteil. Das ist der Sinn von Mamres Rat zur Beschneidung: „Steh auf und erfülle die Mizwa deines Herrn.“ Das bedeutet: Handle, und dann wirst du verstehen, dass der Gute Trieb im Recht ist und nicht der Böse Trieb. Der Rat bezog sich also auf das Tun.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Kiddushin 40b. ↩