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583. Gerechter und Frevler

Ausgang des Schabbat (Sabbat), Wochenabschnitt Lech Lecha, 5736 [18. Oktober 1975]

„Selbst wenn die ganze Welt dir sagt: Du bist ein Gerechter, sei in deinen eigenen Augen wie ein Frevler.“

Es gibt zwei Arten unter den Menschen, die für den Schöpfer arbeiten:

1) Der eine befindet sich im Zustand eines „Gerechten“. Das ist zum Beispiel jemand, der eine feste Zeit hat, zu der er vor Tagesanbruch aufsteht. Wenn er aus dem Schlaf erwacht, steht er sofort zur Arbeit auf. Auch der Körper versteht, dass der Mensch sich mit Tora und Mizwot befassen muss und es nicht anders sein kann. Denn er versteht: Wer in einer guten Umgebung geboren wurde, folgt dieser Umgebung und hat keinerlei fremde Gedanken. Wie könnte es auch anders sein?

Dieser Mensch wird als Gerechter bezeichnet, denn mit seinen Handlungen will er die Mizwa des Schöpfers erfüllen und dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten. Er selbst empfindet keinen Mangel, sondern schreitet immer weiter voran.

2) Es gibt aber Menschen, bei denen der Körper nicht einverstanden ist, wenn sie zur festgesetzten Zeit vor Tagesanbruch aufstehen sollen. Er bringt ihnen fremde Gedanken und fragt: „Wozu dient diese Arbeit? Was hast du gestern dadurch gewonnen, dass du vor Tagesanbruch aufgestanden bist? Du hast zwar gelernt und gebetet, aber wer hat davon profitiert?“

„Und was bringt es dir, dass du weitere Kenntnisse in der Tora erworben oder gebetet hast? Du kannst doch ein Mensch wie alle anderen sein. Die meisten Menschen stehen zur üblichen Zeit auf, lernen zur üblichen Zeit und beten zur üblichen Zeit. Warum musst du früher aufstehen und dich mehr anstrengen als die meisten anderen?“

Dann befindet er sich im Zustand eines „Frevlers“. Denn sobald in ihm die Frage nach der Absicht erwacht – „Wozu dient diese Arbeit?“ –, hilft keine Rechtfertigung. Er kann dies nur überwinden, indem er über den Verstand geht.

Er soll also zum Körper sagen: „Du hast recht. Alle deine Einwände sind wahr, und ich kann sie nicht entkräften. Dennoch will ich jetzt Tora und Mizwot über dem Verstand erfüllen, nach dem Grundsatz: ‚Das Tun geht dem Hören voraus.‘“ Denn er kann nur auf der Ebene der Tat handeln, nicht auf der Ebene der Absicht. Was nämlich die Absicht betrifft – also das Ziel –, kann der Körper sie nicht verstehen.

Dann erfüllt sich an ihm: „Sei in deinen eigenen Augen wie ein Frevler.“ Denn die Augen stehen für Chochma, also für Denken und Verstand. Dies wird „Ziel“ genannt: Bei einer Handlung weiß er, wozu er sie tut. Wenn er es jedoch nicht weiß, ist er aus der Perspektive des Verstandes ein Frevler. Er kann dann nur über dem Verstand handeln, und das wird „bloßes Tun“ genannt.

Er sagt zu seinem Körper: „Handle immer, und danach wirst du des Hörens würdig werden.“ Denn solange er es nicht auf sich genommen hat, über dem Verstand zu arbeiten, kann er die Sichtweise der Tora nicht verstehen. Daher liegt hier die Hauptarbeit des Menschen: über dem Verstand.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026