543. Verkünde den Kindern Israels
Im Sohar1 heißt es: Rabbi Shimon sagte: „‚So sollst du zum Haus Jakob sagen‘ – mit einer Aussage, das heißt von der Seite des Gerichts. ‚Und verkünde den Kindern Israels‘, wie es heißt: ‚Und Er verkündete euch Seinen Bund‘; und es steht geschrieben: ‚Ich habe es heute dem Ewigen, deinem Gott, verkündet.‘ ‚Den Kindern Israels‘ bedeutet den Männern, die von der Seite der Barmherzigkeit kommen.“
Es wird erklärt, dass das Verkünden Barmherzigkeit für die Kinder Israels bedeutet, also für die Männer, die von der Seite der Barmherzigkeit kommen. Rashi führt dagegen an: „‚Zum Haus Jakob‘ – das sind die Frauen; sprich zu ihnen in sanfter Sprache. ‚Und verkünde den Kindern Israels‘ – die Strafen und genauen Bestimmungen; lege den Männern Worte dar, die hart wie Sehnen sind“ (Mechilta).
Demnach scheint aus dem Sohar das Gegenteil hervorzugehen: Für die Frauen gilt die Eigenschaft des Gerichts und für die Männer die Eigenschaft der Barmherzigkeit. Hier dagegen scheint es, dass man zu den Frauen sanft und zu den Männern mit Worten spricht, die hart wie Sehnen sind.
Dort im Sohar heißt es weiter: „Er sagte zu ihnen: Jeder Mensch muss mit einem anderen Menschen entsprechend dessen Weg sprechen: mit einer Frau entsprechend ihrem Weg, mit einem Mann entsprechend seinem Weg und mit einem Mann unter Männern entsprechend seinem Weg. Ich sagte zu Rabbi Chija, meinem Sohn: Das ist die Bedeutung dessen, was geschrieben steht: ‚So sollst du zum Haus Jakob sagen und den Kindern Israels verkünden.‘“
Maimonides schreibt am Ende der Gesetze der Umkehr (Teshuwa): „Wenn man Kinder, Frauen und die Gesamtheit der Ungebildeten unterweist, lehrt man sie deshalb nur, aus Ehrfurcht (Jira) zu dienen und um Lohn zu empfangen. Wenn ihr Verstand zunimmt und sie größere Weisheit erlangen, offenbart man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie behutsam an diese Sache, bis sie Ihn erfassen, Ihn erkennen und Ihm aus Liebe dienen.“
Daraus folgt: „So sollst du sagen“ bezeichnet eine sanfte Aussage, nämlich lo liShma, also um der Eigenliebe willen. Dies geschieht für das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel), das „Eigenschaft des Gerichts“ genannt wird, weil auf diesem Gefäß ein Zimzum (Einschränkung) lag und es verboten ist, es zu benutzen. Einerseits ist dies daher sanft, denn Frauen sind diejenigen, die nur verstehen, was ihre Empfangsgefäße betrifft. Dies wird als weibliche Eigenschaft bezeichnet, also als empfangendes Gefäß.
Anders ist es bei den Männern, also bei denen, die das Geben verstehen können. Die wesentliche Korrektur besteht in der Angleichung der Form, die in den Worten unserer Weisen so beschrieben wird: „Hafte dich an Seine Eigenschaften: Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“ Dies ist das Gegenteil des Empfangsgefäßes, das „Eigenschaft des Gerichts“ genannt wird. Es heißt „hart wie Sehnen“, weil es für den Körper schwer ist, diese Arbeit des Gebens anzunehmen.
Somit wird es einerseits „barmherzig“ genannt, weil es die Eigenschaft des Gebens ist. Für den Körper ist es jedoch hart wie Sehnen, denn der Körper stimmt diesem Weg in der Arbeit für den Schöpfer – dem Weg der Wahrheit, der in der Absicht zu geben besteht – nicht zu.
Daraus verstehen wir, warum man die Ordnung der Wahrheit verändern muss. Wie im Sohar geschrieben steht, muss man mit jedem Menschen seinem Verständnis entsprechend sprechen, damit er begreifen kann, dass es sich für ihn lohnt, um dieses Zieles willen Tora und Mizwot auf sich zu nehmen. Daher muss man seine Rede notwendigerweise dem Verständnis jedes Einzelnen anpassen.
Im Sohar, Jitro2, heißt es: „‚Ihr habt gesehen, was Ich den Ägyptern angetan habe, und Ich trug euch auf Adlerflügeln.‘ Was bedeutet ‚Adlerflügel‘? Rabbi Yehuda sagte: ‚In Barmherzigkeit‘ … Denn Rabbi Shimon sagte: ‚Der Weg des Adlers ist am Himmel.‘ Was bedeutet ‚am Himmel‘? In Barmherzigkeit. Wie ein Adler seinen Jungen gegenüber barmherzig ist, gegenüber anderen aber Gericht übt, so ist der Schöpfer Israel gegenüber barmherzig und übt Gericht an den Götzendiener-Völkern.“
Es ist zu fragen: Warum muss man den Völkern der Welt gegenüber nach der Eigenschaft des Gerichts verfahren? Warum verfährt man nicht auch mit ihnen nach der Eigenschaft der Barmherzigkeit? Gibt es hierbei etwa eine Bevorzugung?
Vielmehr ist zu sagen, dass vom Menschen selbst die Rede ist, der als kleine Welt gilt. Der Mensch umfasst sowohl die Eigenschaft des Sohnes, die „Israel, Mein erstgeborener Sohn“ genannt wird, als auch die Eigenschaft der Völker der Welt. Das heißt: Die Empfangsgefäße des Menschen werden „Völker der Welt“ genannt, und seine Gefäße des Gebens werden „Sohn des Schöpfers“ genannt.
Gewöhnlich steht die Empfangseigenschaft ganz oben in Rang und Wichtigkeit, während die Eigenschaft des Gebens im Menschen als niedrig gilt.
Dies ist die Bedeutung von „Und Ich trug euch auf Adlerflügeln“: Der Schöpfer erhebt die Eigenschaft Seines Sohnes, also das Gefäß des Gebens, damit es für den Menschen wichtig wird. Dadurch fällt das andere – das Empfangsgefäß wird für ihn von geringer Bedeutung. Dies heißt „Eigenschaft des Gerichts gegenüber den Völkern der Welt“, und diese Eigenschaft wird „Vorbereitung auf den Empfang der Tora“ genannt.
Denn die Tora besteht nur in demjenigen, der sich für sie zu Tode bringt. Das heißt: Er muss sein Selbst, also das Empfangsgefäß, zu Tode bringen, indem er ihm keine Nahrung gibt, außer unter der Bedingung, in der Absicht zu geben. Dadurch fällt es und gilt als tot, während die Eigenschaft des Gebens als lebendig gilt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026