813. Über das Verlangen zu geben – 2
Alle fragen: Wenn es heißt, dass Sein Wille darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und die Geschöpfe Sein Gutes empfangen, dann wird Sein Wille erfüllt. Das heißt, Er empfängt Genuss davon, dass Er gibt. Nun gilt jedoch die Regel, dass der Schöpfer nur gibt und nicht empfängt. Wie lassen sich dann beide Erklärungen miteinander vereinbaren?
Dabei muss man verstehen, dass sich dieselbe Frage auch beim Menschen selbst stellt.
Wie kann der Mensch, dessen Eigenschaft das Empfangen ist, die Fähigkeit erlangen, das Empfangsgefäß in ein Gefäß des Gebens zu verwandeln? Selbst wenn er gibt, muss man schließlich sagen, dass er Freude daran hat; sonst würde er nicht geben. Denn ohne Gegenleistung können wir nicht begreifen, dass überhaupt etwas getan wird. Wer auch nur ein wenig Verstand hat, kann schon keine Handlung mehr ausführen, wenn ihm daraus keine Gegenleistung erwächst.
Die Antwort lautet jedoch: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er es nicht überwinden.“ Eine solche Wundertat über dem Verstand wird nur als Geschenk des Schöpfers gewährt. Erst recht können wir beim Schöpfer nicht verstehen, wie ein Geben ohne Empfangen überhaupt möglich ist. Denn das liegt über unserem Verstand, da unsere Wurzel das Empfangen ist.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026