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808. Vollkommenheit und Mangel – 2

Im Materiellen gibt es keine Vollkommenheit, sondern immer einen Mangel. Im Spirituellen gibt es Vollkommenheit und keinen Mangel.

Der Mensch wurde mit der Eigenschaft des Mangels erschaffen. Das bedeutet: Von der Seite seiner Materie, die „Schöpfung“ genannt wird, besteht er nur darin, dass in ihm das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) vorhanden ist; dies gilt als Mangel. Da der Mensch in sich einen Mangel empfindet, bedeutet das, dass ihm Lebenskraft (Chajut) fehlt. Denn das Verlangen, Gutes zu tun, bewirkte im Unteren einen Mangel.

Das heißt, er begehrt immer, Genuss und Lebenskraft zu empfangen. Wenn er aber Genuss nur aus materiellen Einkleidungen empfangen kann, gibt es darin keine Vollkommenheit. Man kann also nicht sagen, dass er aus dieser Sache fortwährend Lebenskraft beziehen kann. Sobald sein Mangel gestillt ist, verlieren sich sofort der Geschmack und die Lebenskraft, die in dieser Sache liegen.

Denn nach der Regel erhält der Genuss einen Teil seines Geschmacks durch die Sehnsucht. Wo keine Sehnsucht nach einer Sache besteht, gibt sie nicht den ganzen Genuss, der in ihr liegt. Sie bereitet ihm nur entsprechend seinem Mangel Genuss. Wo er keinen Mangel hat, gilt es, als hätte er kein Kli (Gefäß), in das er diesen Genuss aufnehmen könnte.

Wenn der Mensch daher vom Genuss erfüllt ist, hat er keine Sehnsucht mehr danach. Deshalb empfängt er aus dieser Sache keine Lebenskraft und keinen Genuss mehr. Ist er von dem Genuss dagegen nicht vollständig erfüllt, bleibt noch Raum für einen Mangel. Dies gilt als ein weiteres Kli, in das er Genuss aufnehmen kann.

Der Mangel, den der Mensch in sich empfindet, weil er keinen Genuss hat, bedeutet, dass es nichts gibt, woraus er Genuss empfangen könnte. Das gleicht einem Menschen, der sich auf einer Insel im Meer befindet, auf der es keinerlei Nahrung gibt, sodass er an Hunger und Durst sterben muss.

In spirituellen Genüssen gibt es Vollkommenheit. Man empfindet keinen Bedarf an einer höheren Vollkommenheit, denn im Spirituellen kann es keinen Mangel geben. Daher leuchtet das Spirituelle in einer Form, der nichts hinzuzufügen ist.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026