790. Hüte, was über deine Lippen kommt
„Hüte, was über deine Lippen kommt.“ „‚Gedenke‘ und ‚hüte‘ wurden in einem einzigen Ausspruch gesagt.“
Die Lippen stehen für Malchut; dabei geht es darum, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen. Dies muss besonders gehütet werden, denn beim Aufsichnehmen eines Jochs geht es nicht um das Gedenken. Gedenken bezieht sich auf etwas, das im Verstand liegt und an das man sich erinnern kann. Bei etwas, das durch eine Handlung geschieht, geht es hingegen um das Hüten: Der Mensch muss sich davor hüten, bei dieser Handlung zu scheitern, oder er muss darauf achten, diese Handlung auszuführen; andernfalls entsteht ihm ein Hindernis.
Das erklärt die Worte „Hüte, was über deine Lippen kommt“: Worte, die die Lippen hervorbringen und deren Wurzel im Glauben liegt, müssen gehütet werden. Mit Glauben ist hier gemeint, dass die Dinge, zu denen der Glaube verpflichtet, „was über deine Lippen kommt“ genannt werden.
Das Gedenken gehört dagegen zur Ebene der Tora, die Licht ist. Darum heißt es: „Alles, was zum Hüten gehört, gehört auch zum Gedenken.“
In dem Maß, in dem sich der Mensch auf der Ebene des Hütens befindet – also einen Halt im Hüten hat, das Glaube heißt –, kann er sich an die Ebene des Lichts der Tora erinnern, die „Gedenke“ heißt. Wer keinen Halt im Hüten hat, besitzt keinerlei Erlangung der Ebene des Gedenkens.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026