771. Über das Gehen
Bekanntlich wird ein Mensch, solange er lebt, als „gehend“ bezeichnet, denn durch seine Beschäftigung mit Tora und Mizwot schreitet er täglich von Stufe zu Stufe. Nach seinem Tod dagegen wird er als „stehend“ bezeichnet, denn „die Toten sind frei“ usw. Jakob jedoch gilt auch nach seinem Tod als gehend. Denn alles, was Israel in jeder Generation an Tora und Mizwot tut, steigt durch ihn auf, da er ihnen seine Eigenschaften hinterlassen hat.
Darüber steht geschrieben: „Jakob ist nicht gestorben.“ Jakob steht für Tiferet, und sein Bett war vollkommen. Der Fragesteller verstand dies nicht und dachte, gemeint sei, dass Jakob tatsächlich gestorben sei. Darauf sagte er zu ihm: „Ich lege einen Schriftvers aus.“
Es gibt zwei Gruppen von Tora-Gelehrten:
1) diejenigen, die sitzen und für sich selbst lernen;
2) diejenigen, die gewürdigt werden, die Vielen würdig zu machen, und andere Tora lehren.
Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin, dass die Angehörigen der zweiten Gruppe auch nach ihrem Tod von Stufe zu Stufe gehen. Daher hat sich der Brauch verbreitet, am Jahrestag des Todes (Jahrzeit) zusammenzukommen, denn an diesem Tag wird der Verstorbene gerichtet. Durch die Beschäftigung seiner Söhne, die er in dieser Welt zurückgelassen hat, mit Tora und Mizwot – oder dadurch, dass ein Sohn einen Tora-Gelehrten unterstützt – steigt die Neshama (Seele) der Eltern auf. Darin besteht die Pflicht des Sohnes, seinem Vater zum Verdienst zu verhelfen; und darin besteht auch seine Verpflichtung, ihn nach dessen Tod zu ehren.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026