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746. Über das Neugeborene

Wenn das Neugeborene auf die Welt kommt, muss es zwei Kräfte erwerben:

1) die Kraft des Verlangens zu empfangen,

2) die Kraft des Verlangens zu geben.

Dazu ist uns aufgetragen, beim Neugeborenen zwei Abtrennungen vorzunehmen:

1) Die Verbindung zwischen dem Nabel des Säuglings und der Mutter wird durchtrennt. Dadurch tritt der Zustand ein: „Der Mund öffnet sich, und der Nabel schließt sich.“

Solange der Mund geschlossen ist, hat das Kind noch keinerlei eigene Selbstständigkeit, sondern ernährt sich von dem, was seine Mutter isst. Denn Essen ist das Geheimnis der Klärungen, und durch sie erwirbt man Lebenskraft (Chajut). Es gibt Lebenskraft der Heiligkeit (Kedusha), und es gibt ihr Gegenteil. Dies wird „höhere Kraft“ genannt. Durch das Durchtrennen der Verbindung zur Mutter erwirbt das Kind daher das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel). Es erwirbt es jedoch nicht auf einmal, sondern im Laufe von dreizehn Jahren.

2) Die zweite Abtrennung erfolgt am achten Tag nach der Geburt. Durch diesen Schnitt, bei dem die Vorhaut entfernt wird, erwirbt das Kind das Verlangen zu geben (Razon lehashpia). Die Zeit, in der es diesen Besitz erwirbt, beginnt ab dem dreizehnten Lebensjahr.

Der Unterschied zwischen dem Erwerb des Verlangens zu empfangen und dem Erwerb des Verlangens zu geben besteht darin, dass das Verlangen zu empfangen als Werk des Schöpfers gilt. Es gehört zum Schöpfungsziel (Mattarat haBeria), das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb muss der Mensch diesen Besitz zuerst erwerben, denn darin liegt das eigentliche Ziel.

Der Erwerb des Verlangens zu geben wird dagegen „Werk von Fleisch und Blut“ genannt, denn dabei handelt es sich lediglich um Korrekturen vonseiten der Unteren. Sie wollen das Brot der Schande (Nahama deKisufa), das als Trennung von der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer bezeichnet wird, nicht hinnehmen.

Deshalb muss der Mensch sich korrigieren, damit er zu einem Kli (Gefäß) wird, das geeignet ist, das Schöpfungsziel zu empfangen – Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Solange der Mensch nicht dazu gelangt, die Wohltat zu erlangen, die „Glücklich bist du in dieser Welt“ heißt, wie geschrieben steht: „Deine Welt wirst du in deinem Leben sehen“, ist dies ein Zeichen dafür, dass er sich noch nicht so vorbereitet hat, dass er beim Empfang des Genusses nicht getrennt wird. Daher gilt dies noch nicht als „Glücklich bist du in dieser Welt“.

Aus diesem Grund wird der Erwerb des Verlangens zu geben als „Werk von Fleisch und Blut“ bezeichnet, denn er ist eine Handlung vonseiten des Unteren. Wie geschrieben steht: „Alles liegt in den Händen des Himmels außer der Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel.“ Mein Vater und Lehrer erklärte dazu: Der Schöpfer kann nur geben, und das Geben des Schöpfers vermehrt lediglich die Liebe.

Nicht zu empfangen dagegen ist die Handlung des Menschen. Dazu heißt es: „Wir haben gelernt: Vom Himmel gibt man; man nimmt nicht.“ Der Schöpfer gibt nur und empfängt nicht. Deshalb wird die Handlung des Gebens durch den Unteren als Werk von Fleisch und Blut bezeichnet. Eben dies fragte Turnus Rufus, der Frevler: „Welche Werke sind schöner – die des Schöpfers oder die von Fleisch und Blut?“

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026