735. Am Tag, als die Stiftshütte errichtet wurde
„Am Tag, als die Stiftshütte errichtet wurde.“ Abaje sagte: Daraus lernen wir, dass der Tempel nachts nicht gebaut wird, denn es heißt: „Am Tag, als die Stiftshütte errichtet wurde“ – tagsüber ist die Zeit dafür, nachts nicht.1
Man muss fragen: Der Bau des Tempels ist für das Volk Israel doch so notwendig. Warum sollte man ihn dann nicht auch nachts errichten?
Über den Vers „Wenn dein Bruder verarmt und seine Hand neben dir wankt, so sollst du ihn unterstützen“ heißt es im Midrash Rabba: Dies ist, was geschrieben steht: „Wohl dem, der sich des Bedürftigen annimmt; am Tag des Unheils wird ihn der Ewige retten.“ Es gibt fünf wörtliche Erklärungen dafür, wer als „bedürftig“ gilt.
Wir finden, dass ein Vers in Kohelet2 erklärt, wer „bedürftig“ genannt wird: „Es war eine kleine Stadt mit wenigen Menschen darin. Ein großer König kam, umzingelte sie und fand in ihr einen armen, weisen Mann. Doch die Weisheit des Armen wurde verachtet, und seine Worte fanden kein Gehör.“
Rashi erklärt im Namen des Midrash Aggada, und dort heißt es: „Mehr als der Hausherr für den Armen tut, tut der Arme für den Hausherrn.“ So sagte Ruth zu Noomi: „Der Name des Mannes, mit dem ich heute gehandelt habe, ist Boas.“ Es steht nicht geschrieben: „der etwas getan hat“, sondern: „mit dem ich etwas getan habe.“ Sie sagte zu ihr: „Viele Taten und Wohltaten habe ich ihm heute für die Münze erwiesen, die er mir gab.“
Aus all dem folgt: Durch die Mizwa des Almosengebens wird man dessen würdig, dass der Gute Trieb (Jezer haTov) über den Bösen Trieb (Jezer haRa) herrscht. Und die Tora ist ewig. Der Mensch muss das Gebäude des Tempels errichten. Es wird aus Lehm und Ziegeln gebaut, und jeder einzelne Ziegel muss mit Mörtel verbunden werden. Dieser hält die Ziegel zusammen.
Wenn ein Mensch eine Mizwa erfüllt und danach strebt, noch eine Mizwa zu erfüllen, verbindet sich dadurch die erste Mizwa mit der zweiten, und es entsteht ein stabiles Gebäude. Wenn er jedoch handelt und es danach bereut, trennt er dadurch den ersten Ziegel vom zweiten.
„Tag“ bedeutet, dass wir sehen, was wir tun. „Nacht“ bedeutet Finsternis, also dass wir nicht sehen, was wir tun. Wenn ein Mensch glaubt und mit Freude handelt, wird dies „Tag“ genannt. Dann verbinden sich die Mizwot, und es entsteht ein Gebäude, in dem die Shechina (göttliche Gegenwart) weilt. Nachts hingegen ist er nicht froh, weil er nicht sieht, was er tut; deshalb kann kein Gebäude entstehen. Der Begriff „Nacht“ hat zwei Bedeutungen:
1) Man sieht nicht.
2) Der Mensch ist nicht in gehobener Stimmung, sondern niedergeschlagen – wie jemand, dessen Lebensunterhalt sich nicht so entwickelt, wie er es für richtig hält. Dann verdunkelt sich für ihn die Welt.
Durch den Glauben wird er der Freude würdig.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026