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752. Bevor ich beschnitten wurde – 2

„Und er lief ihnen entgegen.“ Im Midrash heißt es: Abraham sagte: „Bevor ich beschnitten wurde, kamen Vorübergehende und Zurückkehrende zu mir. Soll das heißen, seit ich beschnitten bin, kommen sie nicht mehr zu mir?“ Der Schöpfer sagte ihm: „Bevor du beschnitten wurdest, kamen Unbeschnittene zu dir. Jetzt offenbaren Wir uns dir – Ich und Mein Gefolge.“ So steht geschrieben: „Er hob seine Augen und sah.“

Im Sinne der ethischen Lehre muss man fragen: Die Beschneidung bedeutet das Abschneiden des lo liShma. Erst nach der Beschneidung war seine Arbeit ausschließlich liShma. Es gilt jedoch die Regel, dass es immer Aufstiege und Abstiege gibt, denn der Mensch wird als ein Gehender und nicht als ein Stehender bezeichnet.

Daher fragte er, warum es bei ihm vor der Beschneidung immer Aufstiege und Abstiege gab. So heißt es „Vorübergehende“ (Owrim): Das Wort verweist auf „Übertretung“ (Awera), also auf einen Abstieg. „Zurückkehrende“ wiederum bedeutet, dass sie in Umkehr (Teshuwa) zurückkehrten. Sie kamen zu mir, und er war den ganzen Tag mit Aufstiegen und Abstiegen beschäftigt.

Jetzt aber, nachdem er beschnitten war, konnte er nicht ständig im Zustand des Vorübergehens und Zurückkehrens sein. Wenn er einen Abstieg hatte, blieb er lange in diesem Zustand, bis er sich wieder aufrichten konnte. Dabei hätte es umgekehrt sein müssen.

Der Schöpfer sagte ihm: Bevor du beschnitten wurdest, kamen Unbeschnittene zu dir. Selbst wenn du Umkehr vollzogen und mit Tora und Arbeit begonnen hattest, war auch dies lo liShma und daher nicht so wichtig. Du hattest viele Beweggründe, Umkehr zu vollziehen und zu Tora und Arbeit zurückzukehren. Jetzt hingegen geht es um liShma – also um Wahrheit –, und dagegen regt sich der Böse Trieb (Jezer haRa). Deshalb geschieht es nicht so beständig.

Man kann außerdem sagen, dass er fragte: Warum befand er sich vor der Beschneidung in einem Zustand von Arbeit und Wahl, also im Zustand des „Vorübergehens und Zurückkehrens“, während er jetzt, nach der Beschneidung, diese Arbeit des Vorübergehens und Zurückkehrens nicht mehr hat?

Darauf antwortete Er: Früher kamen Unbeschnittene zu dir, also Gedanken und Wünsche der Unbeschnittenen, damit du eine Wahl triffst. Dadurch solltest du liShma würdig werden, also der Einwohnung der Shechina (göttliche Gegenwart). Jetzt hast du dies bereits erreicht, und eine Wahl ist nicht mehr nötig. Die frühere Arbeit hat also bewirkt, dass du jetzt eines Zustands der Ruhe würdig geworden bist. Terach zeugte Abraham.1

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Der Schlusssatz steht schon in der Vorlage ohne Anschluss; eine Fortsetzung fehlt dort. ↩