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737. Trauerrede

Unsere Weisen sagten, dass jedem, der um einen rechtschaffenen Menschen weint, all seine Vergehen vergeben werden. „Rabbi Shimon ben Pasi sagte: Rabbi Yehoshua ben Levi sagte im Namen von Bar Kappara: Der Schöpfer zählt jede Träne, die jemand um einen rechtschaffenen Menschen vergießt, und bewahrt sie in Seiner Schatzkammer auf. So heißt es: ‚Du hast meine Wanderungen gezählt; lege meine Tränen in Deinen Schlauch.‘“1

Es ist zu fragen: Worin liegt der besondere Wert dieser Tränen, dass der Schöpfer sie in Seiner Schatzkammer aufbewahrt? Der Maharsha erklärt dazu, dass für den Schöpfer niemand so wichtig ist wie ein Mensch, der Ehrfurcht (Jira) vor dem Himmel hat. Denn in der Schatzkammer des Schöpfers gibt es nichts außer Ehrfurcht vor dem Himmel. So weit seine Worte.

Der Vers sagt: „Was fordert der Ewige, dein Gott, von dir, außer Ehrfurcht?“ Wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat, dem fehlt somit nichts mehr. Daher werden ihm alle seine Vergehen vergeben.

Ebenso heißt es im Traktat Brachot2: „Rabbi Chelbo sagte im Namen von Rav Huna: Die Worte jedes Menschen, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat, werden gehört.“

Es ist zu fragen: Wir sehen doch viele Menschen, die Ehrfurcht vor dem Himmel haben und andere zurechtweisen, deren Worte man aber nicht hören will.

Man muss vielmehr erklären, dass sich die Aussage auf den Menschen selbst bezieht. Bevor ein Mensch Ehrfurcht vor dem Himmel hat, wollen seine Organe nicht auf ihn hören. So heißt es: „Die Weisheit des Armen wird verachtet, und seine Worte werden nicht gehört.“ Hat er jedoch Ehrfurcht vor dem Himmel, unterwerfen sich ihm alle seine Organe. So heißt es: „Alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name des Ewigen über dir genannt ist, und sie werden sich vor dir fürchten.“ Denn die Organe des Menschen werden „Völker der Erde“ genannt.

Die beiden Aussagen widersprechen einander daher nicht, sondern stimmen überein: Wer um einen rechtschaffenen Menschen Tränen vergießt, erlangt Ehrfurcht vor dem Himmel. Es ist jedoch zu verstehen, warum das so ist. Das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Eine Stunde der Umkehr (Teshuwa) und der guten Taten in dieser Welt ist besser als das ganze Leben in der Kommenden Welt.“ Denn sobald ein Mensch stirbt, ist er von den Mizwot befreit.

Wenn man also Anteil an dem Verlust nimmt, den der Verstorbene erlitten hat – daran, dass er jetzt keine guten Taten mehr vollbringen kann –, und dies den Menschen bis ins Innerste seiner Seele berührt, bis er Tränen vergießt, führt das dazu, dass er das Joch des Königtums des Himmels wahrhaftig auf sich nimmt und der Vergebung seiner Vergehen würdig wird.

Dass der Verstorbene bewirkt, dass Menschen zur Ehrfurcht vor dem Himmel gelangen, ist für ihn eine große Korrektur. Er selbst kann jetzt keine guten Taten mehr vollbringen. Wenn sein Tod jedoch dazu führt, dass Menschen zur Umkehr gelangen, vollbringt der Verstorbene dadurch jetzt eine große Korrektur, die „gute Taten“ genannt wird. So heißt es: „Wer den Vielen zu Verdiensten verhilft, durch den geschieht keine Sünde.“

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Schabbat 105b. ↩

  2. Traktat Brachot, 6b. ↩