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732. Gegenüber der Vorderseite der Menora

Wochenabschnitt Beha’alotcha, 5718 [1958]

„Der Vorderseite der Menora gegenüber sollen die sieben Lampen leuchten.“ Rashi erklärt: Damit man nicht sagt: „Er braucht ihr Licht.“

Die Gemara fragt1: „Braucht Er etwa ihr Licht? Schließlich gingen die Kinder Israels während der ganzen vierzig Jahre ihrer Wanderung durch die Wüste nur im Licht der Shechina (göttlichen Gegenwart). Vielmehr ist dies ein Zeugnis für die Menschen in der Welt, dass die Shechina in Israel weilt. Was ist dieses Zeugnis? Rav sagte: Es ist die westliche Lampe. In sie gab man ebenso viel Öl wie in die übrigen; von ihr aus zündete er die anderen an, und mit ihr beendete er das Anzünden.“

Die Tosafot bemerken dort: „Verwunderlich ist, weshalb gerade die vierzig Jahre angeführt werden; schließlich geht die ganze Welt immer im Licht des Schöpfers.“

Man muss fragen: Welcher unvernünftige Mensch auf der Welt sollte an eine solche Unvernunft denken? Wir glauben doch als einen der dreizehn Glaubensgrundsätze, dass der Schöpfer kein Körper ist. Wie kann man dann fragen: „Braucht Er etwa ihr Licht?“, sodass man dafür noch den Beweis anführen muss: „Während der ganzen vierzig Jahre … gingen sie nur in Seinem Licht“?

Dasselbe gilt für die Frage der Tosafot, wonach die ganze Welt im Licht des Schöpfers geht: Wie sollte ohne diese Beweise überhaupt jemand auf den Gedanken kommen, dass der Schöpfer materielles Licht braucht?

Der Sinn ist folgender: Das Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) besteht darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit es kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) gibt, müssen wir die Handlungen der Mizwot mit der Absicht zu geben verrichten. Die Menora weist auf das Licht des Schöpfers hin, das sich den Unteren offenbart. Durch ein Erwachen von unten erwecken wir das Erwachen von oben, wie es im heiligen Sohar geschrieben steht.

Das bedeutet: Man soll nicht behaupten: „Der Schöpfer kann uns nicht alles Gute geben, wenn wir keine guten Taten vollbringen“, denn es heißt: „Wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?“ Vielmehr dienen alle Handlungen der Mizwot dazu, Israel durch sie zu läutern. Daher weist die Handlung mit der Menora auf unsere Arbeit hin: Wir sollen uns so vorbereiten, dass unsere Absicht auf das Geben gerichtet ist.

Deshalb führt die Gemara die Frage an: „Braucht Er etwa ihr Licht?“ Bedeutet das etwa, dass der Schöpfer uns nicht alles Gute geben kann? Israel wanderte doch vierzig Jahre durch die Wüste und aß Manna, das „Brot vom Himmel“ genannt wird. Dies war ausschließlich ein Erwachen von oben. Trotzdem besaßen sie alles Gute, denn sie wurden „Generation des Verstandes“ genannt – eine Bezeichnung, die keine andere Generation trägt.

Die Tosafot fragen: „Geht nicht die ganze Welt im Licht des Schöpfers?“ Die gesamte Welt – Juden ebenso wie die Völker der Welt – wird ohne jedes Erwachen von unten ernährt. Das zeigt, dass der Schöpfer die Handlungen der Mizwot nicht benötigt. Sie sind nur für uns da: Wir sollen uns so vorbereiten, dass unsere Absicht ausschließlich auf das Geben gerichtet ist. Dann wird der Empfang der Wohltat des Schöpfers vollkommen sein.

Darum heißt es: „Es ist ein Zeugnis für die Menschen in der Welt, dass die Shechina in Israel weilt.“ In Wahrheit ist der Schöpfer der Handelnde, wie geschrieben steht: „Er allein vollbringt und wird alle Taten vollbringen“ – sogar ohne jede Arbeit von uns. Rav erklärt: „Was ist dieses Zeugnis? Es ist die westliche Lampe. In sie gab man ebenso viel Öl wie in die übrigen; von ihr aus zündete er die anderen an, und mit ihr beendete er das Anzünden.“

Wenn die Wohltat des Schöpfers tatsächlich von unseren Taten, also vom Maß unserer Arbeit, abhinge, dürfte die westliche Lampe nicht länger leuchten, als es der eingefüllten Ölmenge und damit dem Maß unserer Arbeit entspricht. Dies zeigt, dass der Schöpfer geben kann, ohne Sich nach dem Maß unserer Taten zu richten, denn Er ist allmächtig. All unsere Taten dienen nur dazu, Vollkommenheit beim Empfang der Gaben des Königs zu erlangen.

Die „westliche Lampe“ ist das Geheimnis der Shechina im Westen. Das bezeichnet den Glauben, der dem Abend und nicht dem Tag entspricht. Daher wird die Shechina als arm bezeichnet. Dies ist die Bedeutung von Almosen für die Armen und von „Gib den Zehnten, damit du reich wirst“. Aus dieser Perspektive ist die Arbeit des Menschen nicht erforderlich, damit er seine Erträge vervollständigen kann. Gewöhnlich richtet sich der Lohn nach der Arbeit. Beim Almosen aber gibt es das Zeugnis, dass der Schöpfer auch ohne ein Erwachen von unten hilft.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Schabbat 22b. ↩