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814. Zeiten in der Arbeit

Es ist erklärt worden, dass es auf jeder Stufe die Aspekte Rosh (Kopf) und Guf (Körper) gibt; sie gelten als Potenzial und Verwirklichung.

Der Rosh gilt dem Guf gegenüber als Ausströmender und Ejn Sof (die Unendlichkeit), denn der Rosh wird als „von unten nach oben“ betrachtet, also als Widerstand gegen die Einkleidung.

Er gilt als Licht ohne Kli (Gefäß). Denn die Einkleidung in ein Kli bedeutet Offenbarung: Licht offenbart sich nur in einem Kli, das als Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) gilt, das heißt, wenn der Empfangende es erlangt. Wo noch keinerlei Erlangung eingetreten ist, gilt es als Licht ohne Kli. Dies wird Ejn Sof und Ausströmender genannt, weil es nicht erlangt wird.

Am Rosh der Stufe beschäftigt sich der Mensch daher mit dem Massach (Schirm), also mit der Überwindung des Verlangens zu empfangen. Seine ganze Aufgabe besteht dann darin, sein Verlangen vom Empfangen zurückzuhalten, obwohl er ein starkes Verlangen und eine große Sehnsucht hat. Seine gesamte Arbeit besteht darin, sein Verlangen zu überwinden. Die Kraft, die ihn dazu verpflichtet, entspringt seinem Wunsch nach Angleichung der Form.

Nur wenn er selbst weiß, dass es für ihn richtig ist zu empfangen, weil dies das Verlangen des Höheren ist und nicht sein eigenes, empfängt er einen Teil des Lichts. Das heißt, ihm werden Fülle und Erlangung in dem Maß gegeben, in dem er sich sicher ist, dass seine gesamte Absicht dem Verlangen des Höheren entspringt.

Daraus folgt, dass diese Ordnung auch während der Vorbereitung gilt, bevor man würdig wird, den Palast des Königs zu betreten. Wenn ein Mensch eine bestimmte Mizwa erfüllen soll, das Verlangen zu empfangen diese Handlung aber nicht ausführen will, tut er, was er kann, und überwindet sein Verlangen. Damit hat er seine Arbeit getan: Er gab der Seite der Heiligkeit (Kedusha) den Ausschlag und handelte gegen sein Verlangen.

Indem er sich überwindet und es „wie ein Ochse unter dem Joch und wie ein Esel unter der Last“ auf sich nimmt, ruht sofort ein Geist von oben auf ihm – entsprechend dem Maß, in dem er sein Verlangen überwunden, also seine Kräfte offenbart hat.

Dieser Geist von oben, der auf ihm ruht, offenbart sich dem Menschen bereits als Genuss und nicht als Arbeit, denn auf die Arbeit folgen immer Ruhe und Freude. Daher sind hier zwei Zustände zu unterscheiden:

1) eine Zeit der Arbeit,

2) eine Zeit der inneren Ruhe.

Deshalb muss man sagen, dass der Mensch während der Arbeit „Diener des Schöpfers“ genannt wird und nicht während der inneren Ruhe. Der Mensch sehnt sich jedoch immer nach innerer Ruhe und nicht nach Arbeit.

Das bedeutet: „Die Ansicht des Hausherrn steht der Ansicht der Tora entgegen.“ Nach Ansicht des Hausherrn ist die innere Ruhe der beste Zustand. Die Zeit der Arbeit gilt ihm dagegen als Katnut (Kleinsein), weil er dann Gut und Böse klären muss. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich noch Böses in ihm befindet.

In der Zeit der inneren Ruhe hingegen ist es ein Zeichen dafür, dass er sich in einem Zustand einer Welt befindet, die ganz und gar gut ist. In Wahrheit ist die innere Ruhe jedoch nur die Fortsetzung der Erfüllung der Mizwa, zwischen Gut und Böse zu wählen; dies wird „Arbeit der Klärungen“ genannt.

Während der inneren Ruhe befindet er sich nicht in einem Zustand der Arbeit, sondern in einem Zustand der Ruhe, der als Stehen und nicht als Gehen gilt. Die eigentliche Arbeit geschieht, wenn er in Vereinigungen (Yechudim) arbeitet, also alles mit dem Schöpfer vereint; dies gilt als Angleichung der Form und als Geben.

Der erste Zustand heißt somit Arbeit, der zweite Ruhe. Doch auch den zweiten Zustand brauchen wir, denn ein Diener kann nicht arbeiten, wenn er keine Nahrung erhält. Die Ruhe dient also nur dazu, ihm Kraft für die Arbeit zu geben. Denn die Heiligkeit, die er in sein Inneres aufnimmt, gibt ihm die Kraft, alle Verlangen zu überwinden.

Wenn er jedoch nicht arbeitet, ist dies gewiss keine Zeit des Verdienstes. Es ist wie bei jemandem, der den ganzen Tag in seinem Geschäft sitzt und Geld verdient, abends nach Hause zurückkehrt und sein Essen genießt. Ihm würde niemals in den Sinn kommen, dass er in diesem Augenblick etwas verdient. Im Gegenteil: Dies ist eine Zeit der Ausgaben und nicht der Einnahmen.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026