825. Wahl
„Rabbi Jizchak sagte: ‚Wenn Schlangen und Skorpione darin waren, warum steht über Ruben geschrieben: „Um ihn aus ihrer Hand zu retten und ihn zu seinem Vater zurückzubringen“? Fürchtete Ruben denn nicht, dass jene Schlangen und Skorpione ihm schaden würden? … Vielmehr sah Ruben, dass die Gefahr in der Hand seiner Brüder lag, denn er wusste, wie sehr sie ihn hassten. … Denn hier ist ein Ort mit Schlangen und Skorpionen. Wenn er ein Gerechter ist, lässt der Schöpfer für ihn ein Wunder geschehen. Manchmal hilft einem Menschen auch das Verdienst der Urväter, sodass er vor ihnen gerettet wird. Doch sobald er in die Hand seiner Feinde übergeben wird, können sich nur wenige retten.‘.“1
Es ist zu verstehen, warum der Schöpfer kein Wunder für ihn geschehen lässt, wenn er in der Hand seiner Feinde ist. Hinsichtlich der Rettung muss man zwei Arten unterscheiden:
1) wenn Gefahr zu erwarten ist;
2) wenn keine Gefahr zu erwarten ist.
Tiere, die Schaden zufügen, tun dies aus Fresslust und nicht aus Bosheit. Dabei muss man gewiss auch die Schädiger unterscheiden, die aus ihrer Natur heraus handeln. Denn es liegt in der Natur der Tiere, Menschen zu schaden. Mit anderen Worten: Sie haben ein allgemeines Verlangen, alle Arten von Lebewesen zu reißen.
Dagegen richtet sich beim Feind seine gesamte Kraft und Energie allein gegen diesen einen Menschen; nur ihm will der Feind schaden. Somit richtet sich der ganze Zorn in ihm gegen diesen Menschen. Deshalb gilt dies als Situation, in der Gefahr zu erwarten ist, und hier verlässt man sich nicht auf ein Wunder. Schlangen und Skorpione hingegen haben kein besonderes Interesse gerade an diesem Menschen. Daher gilt die Gefahr bei ihnen nicht als so wahrscheinlich, und ihm kann ein Wunder geschehen.
Es macht einen Unterschied, ob die Energie eines Menschen auf viele Dinge gerichtet ist. Dann entfällt auf jedes einzelne nur ein Teil seiner Energie – anders als wenn seine ganze Energie auf eine einzige Sache gerichtet ist.
Zweite Art: Tiere besitzen keine Entscheidungsfreiheit, sondern verhalten sich so, wie ihre Natur es von ihnen verlangt. Daher sind sie dem Urheber der Natur unterstellt: Sie handeln und verhalten sich nach dem, was der Schöpfer ihnen eingeprägt hat. Da sie in der Hand des Schöpfers sind, kann Er mit ihnen nach Seinem Willen handeln, ihnen also jetzt eine Natur geben, die nicht reißt.
Der Mensch hingegen besitzt Entscheidungsfreiheit. Das heißt, der Schöpfer gab ihm das Empfinden, dass es in seiner Hand liegt, zu handeln und etwas zu bewirken, und dass er nicht vom Urheber der Natur abhängt. Deshalb kann man nicht sagen, dass der Schöpfer Erbarmen in das Herz des Feindes legt, denn der Mensch ist hier der Handelnde.
Wenn der Schöpfer für ihn ein Wunder bewirkt, nimmt Er damit dem Feind die Entscheidungsfreiheit. Anders ist es bei Tieren: Sie haben keine Entscheidungsfreiheit, sondern handeln so, wie der Schöpfer es ihnen eingeprägt hat. Das heißt, der Schöpfer ist der Handelnde; deshalb kann Er nun ihre Natur verändern.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sohar, WaYeshew, Blatt 185a, am Ende. ↩