820. Das Konzept (die Unterscheidung) von „in allem“ (B’Chol)
Auslegung zum Wochenabschnitt Chaje Sara, Haus der Versammlung Beit David, Manchester
„Und Abraham war alt und hochbetagt, und der Ewige hatte Abraham in allem gesegnet. Und Abraham sprach zu seinem Knecht …“
Es stellt sich die bekannte Frage: In welchem Zusammenhang steht die Anweisung „Du sollst für meinen Sohn keine Frau von den Töchtern der Kanaaniter nehmen“ mit den Worten „sondern in mein Land und zu meiner Verwandtschaft“? Das bedeutet, er sollte ausdrücklich eine Frau aus seiner eigenen Familie nehmen.
Im Midrash Rabba gibt es drei Auffassungen zur Bedeutung von „in allem“: Rabbi Yudan sagt, „in allem“ bedeute eine weibliche Eigenschaft (Nekewa). Rabbi Nechemia sagt, Abraham habe überhaupt keine weibliche Eigenschaft gehabt. Rabbi Levi sagt, er habe Herrschaft über seinen Trieb erlangt.
Eine weibliche Eigenschaft bedeutet einen Mangel. Denn Abraham wurde wie alle Geschöpfe mit einem Mangel erschaffen, und der Schöpfer gab ihm in diesem Mangel einen Segen. Das ist die Auffassung von Rabbi Yudan.
Rabbi Nechemia sagt dagegen, Abraham habe überhaupt keine weibliche Eigenschaft gehabt. Sein Segen bestand also darin, dass er niemals irgendeinen Mangel hatte. Und es gibt keinen größeren Segen, als wenn einem Menschen seine Mängel genommen werden.
Rabbi Levi sagt, er hat Herrschaft über seinen Trieb erlangt. Das heißt, er hatte einen Mangel, und dieser Mangel heißt Böser Trieb (Jezer haRa). Doch er hatte die Kraft, ihn zu beherrschen, sodass er nichts für sich selbst empfing, sondern nur um des Schöpfers willen.
Daraus ergibt sich, dass es hier drei Aspekte gibt: Er hat keinerlei Mangel, denn der Böse Trieb wurde ihm genommen; das ist der Aspekt des Gebens, um zu geben. Er herrscht über seinen Trieb, das heißt, er empfängt überhaupt nicht. Oder er hat eine weibliche Eigenschaft, also einen Mangel, nutzt diesen Mangel jedoch nur als Segen: Er empfängt, um zu geben, und dann gilt dies als Segen.
1) Er empfängt nicht.
2) Er gibt, um zu geben.
3) Er empfängt, um zu geben.
Diese drei Auffassungen beschreiben also die Reihenfolge der Arbeit, durch die man zur Vollkommenheit des Ziels gelangt. Jeder hält dabei etwas anderes für das Wesentliche. Der eine meint, entscheidend sei der Anfang: nicht zu empfangen. Darin bestehe der ganze Segen; alles Weitere ergebe sich bereits daraus.
Der zweite meint, entscheidend ist, zu geben, um zu geben. Wenn er darin gesegnet ist, ergibt sich alles Weitere von selbst.
Der dritte meint, entscheidend ist das endgültige Ziel, denn man muss dieses Segens würdig werden.
Der Vers sagt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm gegenübersteht.“ Das heißt, seine Frau soll ihm helfen, gegen das anzukämpfen, was sich ihm entgegenstellt – den Bösen Trieb. Abraham hatte durch Sara eine solche Hilfe.
Deshalb wollte Abraham auch für seinen Sohn Isaak eine Hilfe aus seiner eigenen Familie nehmen. So wie Sara die Tochter seines Bruders war, war Rebekka die Tochter des Sohnes seines Bruders. Durch diese Hilfe vonseiten seiner Frau sollte Isaak zur endgültigen Vollkommenheit gelangen, so wie Abraham zur Vollkommenheit gelangt war: Er war des Aspekts „in allem“ würdig geworden, und das ist Vollkommenheit.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026