804. Er richtet den Armen aus dem Staub auf – 2
„Er richtet den Armen aus dem Staub auf, aus dem Schmutz erhebt Er den Bedürftigen.“
„Staub“ bedeutet, dass er sich nicht aus eigener Kraft bewegen kann, sondern von allen zertreten wird. Jeder, der sein Haus bauen will, baut darauf, und der Staub kann sich nicht dagegen wehren. Das gilt für gute Dinge ebenso wie für das Gegenteil.
Daher ist der Arme, also der Elende, der Punkt im Herzen. Der Mensch ist so tief gesunken, dass er unerwünschte Menschen nicht daran hindern kann, darauf ihr Bauwerk zu errichten. Denn er hat von seinen Lehrern als Vermächtnis erhalten, auf diesem Staub nichts anderes errichten zu lassen als den Tempel.
Auf die Tage zwischen Kesse [Rosh HaShana] und Assor [Jom Kippur] muss der Mensch besonders achten. Kesse bedeutet, dass er eine Verhüllung über der Vorsehung hat. Assor wird von „Bindet (isru) das Festopfer mit Stricken“ abgeleitet. Der Mensch ist also an Händen und Füßen gebunden und kann seine ungehörigen Gedanken nicht daran hindern, dort ihr Bauwerk zu errichten.
Dazu sagten unsere Weisen: „Sucht den Ewigen, wenn Er zu finden ist; ruft Ihn an, wenn Er nahe ist.“1 Warum ist Er gerade in dieser Zeit nahe? Weil es heißt: „Der Ewige ist hoch, doch den Niedrigen sieht Er.“ Dies bezeichnet Mocha (Verstand). „Aus dem Schmutz“ bezeichnet Liba (Herz), das im Schmutz liegt, also in den Begierden dieser Welt. Dann gelangt der Mensch zu der vollen Erkenntnis: „Wenn der Ewige das Haus nicht baut, arbeiten seine Erbauer vergeblich daran.“ Deshalb darf er gerade dann nicht daran verzweifeln, des Baus des Tempels würdig zu werden.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Yewamot 105. ↩