817. Über die Arme
Über die Arme. Nach der Erklärung meines Vaters und Lehrers heißt sie so, weil alle für sie arbeiten, sie selbst aber nicht arbeitet: Für sie ist Arbeit verboten, und sie wird nur von anderen ernährt.1
Nach dem oben Gesagten lässt sich erklären, dass die Nahrung jeder Sache der Verstand ist. Alles, von dem man mit dem Verstand einsieht, dass man es tun muss, tut und nutzt man. Wenn der Mensch jedoch sieht, dass er bei der Nutzung nachlässig ist, muss er der Sache mehr Verstand und Einsicht hinzufügen, also verstehen, wie notwendig sie für ihn ist. Dann belebt ihn dieser Verstand: Er erhält neue Kraft, sich mit der Sache zu beschäftigen, weil der Verstand ihn dazu verpflichtet.
Folglich belebt der Verstand diese Sache. Deshalb heißt es, dass man sie kraft dessen nutzt, wozu die Sache selbst einen verpflichtet. Dieser Aspekt wird daher „reich“ genannt, denn „arm ist nur, wer arm an Verstand ist“.
Anders ist es, wenn man etwas ohne Verstand nutzt und der Verstand einen nicht verpflichtet, sich damit zu beschäftigen. Jedes Mal, wenn man es beleben, ihm also Nahrung geben muss – Verstand und Einsicht darüber, warum es sich für ihn lohnt, es zu nutzen –, darf man ihm keinen Aspekt des Verstandes geben.
Deshalb heißt sie „arm und dürftig“. Alle Nahrung, die man von anderen Dingen erhält, muss man ihr geben. Das heißt: Alle Einsichten, die man aus anderen Dingen gewinnt, bei denen Verstand erlaubt ist, muss man auf sie übertragen.
Man muss also sagen: Alle Nahrung, die man von anderen Dingen erhält, verdankt man ihr. Denn indem man sie nutzt und sich an ihr erfreut, obwohl man darin keinerlei Verstand hat, erhält man an anderer Stelle Verstand – nach dem Prinzip: „Gib den Zehnten, damit du reich wirst.“
Denn indem man den Zehnten gibt – also ohne Verstand handelt – und erklärt, dass dieser Zehnte heilig ist, erlangt man dadurch an anderer Stelle Reichtum. Das heißt: Den Aspekt des Verstandes, der „Reichtum“ heißt, empfängt man aus anderen Dingen.
Daher gehören ihm neun Aspekte: In diesen neun Aspekten empfängt er den Aspekt des Verstandes. „Der Zehnte soll dem Ewigen heilig sein“ bedeutet dagegen, dass er ganz dem Ewigen gehört und man darin keinerlei Erlangung hat. Deshalb heißt er „dem Ewigen“. Der Aspekt, den der Besitzer erhält und der „gehört ihm“ genannt wird, ist das, was den Besitzern zur Erlangung gegeben wird.
Dies ist die Bedeutung von: „Prüft Mich doch darin, spricht der Ewige der Heerscharen, ob Ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und Segen über euch ausgießen werde bis zum Übermaß.“ „Darin“ bezeichnet den oben genannten Aspekt des Reichtums. Wenn ihr dies über dem Verstand annehmt – wird euch dann nicht aller Reichtum der Welt zuteil? Das ist, wie oben erklärt.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass am Schabbat Arbeit verboten ist. ↩