835. Gürte dein Schwert
Kfar Gideon, 15. Tewet 5723 [11. Januar 1963]
„‚Lege doch deine Hand unter meine Hüfte.‘ Was bedeutet ‚deine Hand‘? Er begann und sagte: ‚Gürte dein Schwert um deine Hüfte, Held, deine Pracht und deine Herrlichkeit.‘ Daher heißt es: ‚Güte und Wahrheit gehen Deinem Angesicht voraus‘ und: ‚Das Angesicht des Ewigen hat sie zerstreut.‘.“1
Das bedeutet: Mit „deiner Hand“ ist das Schwert gemeint. Dieses Schwert hat zwei Schneiden: Güte und Wahrheit, also Chochma und Chessed. Siehe dazu den Sulam-Kommentar.
Unsere Weisen sagten: „Wer an seinem Bett das Shma rezitiert, hält gleichsam ein zweischneidiges Schwert, wie es heißt: ‚Ein zweischneidiges Schwert ist in ihrer Hand.‘“
Die beiden Schneiden – Güte und Wahrheit – bedeuten, dass es einen Guten Trieb und einen Bösen Trieb (Jezer haRa) gibt. Der Mensch beginnt seine Arbeit mit dem Guten Trieb und setzt sie anschließend mithilfe des Bösen Triebs fort. So sagten unsere Weisen: „Und du sollst lieben … mit deinem ganzen Herzen – mit deinen beiden Trieben.“
Güte, also die Eigenschaft des Gebens, ist die Arbeit des Guten Triebs. Wenn der Mensch die Eigenschaft der Wahrheit erlangt, wird ihm die Güte des Schöpfers offenbart. Diese Wahrheit besteht in der Wahrhaftigkeit Seiner Absicht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Dann steht seiner Arbeit für den Schöpfer nichts mehr entgegen, denn nun versöhnt Er sogar seine Feinde mit ihm. Darauf beziehen sich die Worte: „Wenn dem Ewigen die Wege eines Menschen gefallen, versöhnt Er auch seine Feinde mit ihm.“ Mit den Feinden ist der Böse Trieb gemeint.
Das ist die Bedeutung von „Güte und Wahrheit gehen Deinem Angesicht voraus“: Um des Angesichts des Schöpfers (Panim) würdig zu werden, müssen Güte und Wahrheit vorausgehen. Wenn der Mensch die Eigenschaft der Wahrheit erlangt, gilt dies als Erlangung des Angesichts des Schöpfers. Solange er die Eigenschaft der Wahrheit noch nicht erlangt hat, besitzt er dagegen nur die Rückseite (Achoraim), also einen Zustand der Verhüllung. Dann sieht er, dass allein er dem Schöpfer gibt; dies ist die Eigenschaft der Güte.
Das heißt, er erweist dem Schöpfer Güte, weil er meint, nur er sei der Gebende. Sobald er jedoch die Eigenschaft der Wahrheit erlangt, erkennt er das Gegenteil: Er ist derjenige, der vom Schöpfer empfängt. Dies geschieht allerdings auf dem Weg der Korrektur, das heißt, er empfängt, um zu geben.
Darin liegt die Bedeutung der Worte „Wer an seinem Bett das Shma rezitiert“. „Bett“ (Mita) bezeichnet hier „unten“ (Mata): den Zustand, bevor der Mensch sich hinlegt und Hände und Füße ausstreckt, wie in den Worten: „Ich fand im Lehrhaus weder Hand noch Fuß.“ Das bedeutet, dass er keinerlei Erlangung hat, denn er befindet sich dann in einem Zustand der Verhüllung des Angesichts, also der Rückseite (Achoraim).
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Sohar, WaYechi, Blatt 212. ↩