857. Die Notwendigkeit eines Kli [Gefäß] ohne Licht
HaSore’im, Purim Katan 5736 [15. Februar 1976]
Vollkommener Glaube ist ein Glaube, der zur Vollkommenheit führt. So sagte Maimonides: „Was bedeutet Umkehr (Teshuwa)? Bis der Kenner der Geheimnisse über ihn Zeugnis ablegt.“
In der „Einführung in das Talmud Esser haSefirot“ erklärte Baal HaSulam, was damit gemeint ist: bis der Schöpfer ihm die Augen erleuchtet und er der Annäherung an den Schöpfer würdig wird. Und das heißt, dass der Schöpfer über ihn Zeugnis ablegt. Daraus folgt auch, dass er meint: Vollkommenheit bedeutet, dass der Schöpfer ihn nähergebracht und ihn in Seinen Palast hineingeführt hat, in dem alles spricht: „Heilig.“
Die Zehn Sefirot entstanden in Nekudim, doch ihre Tätigkeit wurde in Azilut vollendet. Denn in Akudim gab es nur ein Kli (Gefäß), nämlich die Sefira Malchut. In ihr herrschte Finsternis, weil auf ihren Aspekt ein Zimzum (Einschränkung) angewandt worden war und sie in der Finsternis verblieb.
Nach der Regel, dass nur Malchut empfängt, erlangt Malchut die ersten neun Sefirot, die durch den von Malchut vollzogenen Siwug de Hakaa (Paarung durch Schlagen) hervorgetreten sind. Dies gilt als ein einziges Kli und ein einziger Punkt, weil nach dem Zimzum nur ihr eigener Aspekt in der Finsternis verblieb.
In Nekudim stieg Malchut zu Bina auf. Das bedeutet, dass Malchut in jeder einzelnen Sefira nur das Gefäß des Gebens verwendet. Daher erlangt Malchut Galgalta we Ejnaim (GE) der ersten neun Sefirot, während ACHaP [die Gefäße des Empfangens] in jeder einzelnen Sefira aus deren Stufe austraten. So entstand in jeder Sefira Finsternis, weil sich keinerlei Licht in das Gefäß des Empfangens ausbreitete.
Als sie später zur Zeit der Gadlut (Erwachsensein) tatsächlich Fülle in die Gefäße des Empfangens herabzogen, zerbrachen die Gefäße, weil es kleine Gefäße waren. Das heißt, der Massach (Schirm) konnte sich nicht davon zurückhalten, um des Empfangens willen zu empfangen.
In Azilut blieben selbst dann, als später die Gadlut kam, die wirklichen ACHaP jeder Sefira leer von der Fülle, weil nur WaK von Chochma leuchtete. Dies bedeutet, dass auf Malchut selbst kein Siwug vollzogen wurde, sondern nur auf Malchut, die durch Bina gemildert war. So blieb in jeder Sefira ein leerer Aspekt zurück. Dieser gilt als ein Kli, das heißt, als ein Gefäß ohne Licht.
Der Grund, weshalb ein Gefäß ohne Licht benötigt wird, liegt darin, dass nur dann erkennbar ist, dass noch ein Mangel besteht, den es zu korrigieren gilt. Andernfalls würde man meinen, die Vollkommenheit bereits erreicht zu haben.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026