861. Arbeit der Linien
„Sie sagten: ‚Da es eine Zeit des Wohlgefallens ist, wollen wir um Erbarmen wegen des Triebs zur Übertretung bitten.‘ Sie baten um Erbarmen, und er wurde ihnen ausgeliefert. Er sagte ihnen: ‚Seht: Wenn ihr ihn tötet, wird die Welt zugrunde gehen.‘ Sie hielten ihn drei Tage lang gefangen und suchten im ganzen Land Israel nach einem Ei, das an jenem Tag gelegt worden war, fanden aber keines. Sie sagten: ‚Was sollen wir tun? Wenn wir ihn töten, wird die Welt zugrunde gehen; wenn wir um die Hälfte bitten, gibt man vom Himmel keine Hälfte.‘ Sie blendeten seine Augen und ließen ihn frei. Das half, sodass er einen Menschen hinsichtlich seiner nahen Verwandten nicht mehr in Versuchung führte.“1
„Der Trieb zur Übertretung“ ist der Trieb, Genuss zu empfangen; er wird als Chochma bezeichnet. „Wenn wir ihn töten, wird die Welt zugrunde gehen“ bedeutet, dass das Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) aufgehoben würde: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, also Genuss zu empfangen.
„Wir wollen um Erbarmen für die Hälfte bitten“ bedeutet, dass sich nach unten nur die Hälfte der Stufe von Chochma ausbreitet. Weshalb müssen wir die Mittlere Linie bilden, um die Linke Linie zu annullieren? Es besteht die Sorge, dass sie die Mittlere Linie nicht herabziehen. Daher ist es besser, dass sich nach unten nur die Hälfte der Linken Linie ausbreitet, also lediglich das Leuchten von Chochma, so wie es später durch die Entscheidung der Mittleren Linie sein wird.
„Vom Himmel gibt man keine Hälfte.“ Von oben kommt immer Vollkommenheit. Denn wenn sich das Spirituelle unten offenbart, ist es immer vollkommen.
„Sie blendeten seine Augen und ließen ihn frei.“ Dies geschieht gerade durch die Mittlere Linie. Chochma wird nämlich „Augen“ genannt. Rashi erklärte: „Sie machten seine Augen mit Kajal blind“, im Sinne von „Du hast dem Meer eine Grenze gesetzt“. Das bedeutet, dass er nicht nach unten sieht – dies wäre eine Ausbreitung von oben nach unten –, sondern nur an seinem eigenen Ort empfindet. „Das half, sodass er einen Menschen hinsichtlich seiner nahen Verwandten nicht mehr in Versuchung führte“ bedeutet: Während der Anhaftung (Dwekut) hat er …2
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026