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886. Malchujot, Erinnerungen und Shofarot

Im Traktat Rosh HaShana1 heißt es: „Rabba sagte: ‚Der Schöpfer sagte: Sprecht an Rosh HaShana vor Mir Malchujot, Erinnerungen und Shofarot. Malchujot – damit ihr Mich zum König über euch macht. Erinnerungen – damit die Erinnerung an euch zu eurem Guten vor Mich kommt. Und wodurch? Durch den Shofar.‘“ Und auf Blatt 16 lautet die Formulierung: „Damit die Erinnerung an euch zu eurem Guten vor Mich aufsteigt.“

Man muss fragen: Daraus scheint hervorzugehen, dass Er Sich durch den Shofar an uns erinnert. Doch vor dem Thron Deiner Herrlichkeit gibt es kein Vergessen. Und was bedeutet es, dass die Erinnerung zum Guten sein soll? Es liegt doch in der Natur des Guten, Gutes zu tun.

Ebenso müssen wir die Worte unserer Weisen verstehen: „Rabbi Abbahu sagte: Warum bläst man in einen Widder-Shofar? Der Schöpfer sagte: Blast vor Mir in einen Widder-Shofar, damit Ich für euch an die Bindung Isaaks, des Sohnes Abrahams, denke und sie euch anrechne, als hättet ihr euch selbst vor Mir gebunden.“

Auch hier ist zu fragen: Würde Er ohne das Blasen der Unteren die Bindung Isaaks vergessen? Nur durch unsere Handlungen erinnern wir Ihn daran, und dann wird uns das Verdienst der Bindung angerechnet, als würden wir selbst vor Ihm gebunden? Und was hat der Schöpfer davon, dass wir vor Ihm gebunden werden?

Ebenso ist die Aussage unserer Weisen zu verstehen: „Rabbi Jizchak sagte: Warum bläst man an Rosh HaShana? Warum bläst man? Der Barmherzige hat gesagt: Blast! Warum lässt man Terua-Töne erschallen? Der Barmherzige hat gesagt: eine Erinnerung durch den Terua-Ton. Warum aber bläst man und lässt Terua-Töne erschallen, während man sitzt, und bläst und lässt Terua-Töne erschallen, während man steht? Um den Satan zu verwirren.“

„Erneuert in diesem Monat eure Taten durch den Shofar; verbessert (shapru) in diesem Monat eure Taten.“ Der Schöpfer sagte zu Israel: „Wenn ihr eure Taten verbessert, werde Ich für euch wie dieser Shofar. Wie dieser Shofar hier Luft aufnimmt und sie dort wieder ausstößt, so erhebe Ich Mich vom Thron des Gerichts und setze Mich auf den Thron der Barmherzigkeit. Für euch verwandle Ich die Eigenschaft des Gerichts in die Eigenschaft der Barmherzigkeit.“ Wann? Im siebten Monat.2

Bekanntlich besteht das Schöpfungsziel (Mattarat haBeria) darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Zu diesem Zweck erschuf der Schöpfer aus dem Nichts das Verlangen, Genüsse zu empfangen. Damit es kein Brot der Schande (Nahama deKisufa) gibt, wurde der Zimzum (Einschränkung) vorgenommen, der die Verhüllung bedeutet. So entsteht Raum für Arbeit und freie Wahl: Der Mensch nimmt die Tora und die Mizwot auf sich, obwohl er den darin enthaltenen Genuss nicht empfindet.

Wenn er seine Arbeit vollendet hat, indem er sich an Handlungen des Gebens gewöhnt hat, will er keinen Genuss mehr für sich empfangen. Seine ganze Absicht besteht vielmehr darin, dem Schöpfer zu geben. Alles, was ihm zur Verfügung steht, ist er bereit, dem Schöpfer zu geben – sogar sein Leben, das ihm am kostbarsten ist. Denn „alles, was der Mensch hat, gibt er für sein Leben“. Selbst diese Seele ist er bereit, dem Schöpfer zu geben.

Das ist die Arbeit der Selbsthingabe. Dadurch kann der Schöpfer ihm anschließend alle Genüsse geben, die für ihn bereitet wurden, ohne dass der Gabe des Königs ein Makel der Scham anhaftet.

Anders ist es zuvor, bevor der Mensch die Stufe der Selbsthingabe erreicht hat: Solange in ihm noch das Verlangen besteht, Genuss und Freude für sich selbst zu empfangen, ruht auf ihm die Eigenschaft von Zimzum und Gericht. Das Urteil lautet, dass man ihm nichts geben kann, weil er es in den Gefäßen (Kelim) des Verlangens zu empfangen annehmen würde.

Nachdem der Mensch jedoch die Gefäße des Gebens erlangt hat, die als Eigenschaft „barmherzig“ bezeichnet werden – wie unsere Weisen sagten: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ –, kann der Schöpfer ihm alle Genüsse geben, die Er für ihn bereitet hat.

So verstehen wir: Obwohl die Kuh noch mehr säugen will, als das Kalb saugen möchte, gibt der Schöpfer dem Menschen dennoch nichts, obgleich Sein Wille darin besteht zu geben. Der Grund ist der oben genannte: Die Gabe des Königs würde einen Makel tragen. Es gleicht einem reichen Mann, der einem Armen auf unwürdige Weise gibt und ihn dadurch beschämt. Unser ganzes Gebet (Tefilla) und unsere ganze Arbeit dienen daher dazu, unsere Taten zu korrigieren, damit wir Gefäße besitzen, in denen wir die Vollkommenheit der Genüsse empfangen können.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Traktat Rosh HaShana, 16a; 34b. ↩

  2. Midrash Rabba, Emor, Abschnitt 29. ↩