904. Der Mensch ist der Baum des Feldes – 2
Rabbi Elasar und Rabbi Shimon: Am ersten Tishri ist Neujahr für den Zehnten vom Vieh, und am fünfzehnten Schwat ist Neujahr für die Bäume.
„Der Mensch ist der Baum des Feldes.“ In den Handlungen des Menschen sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
1) Der Aspekt des Glaubens, der als Mizwa bezeichnet wird, als Malchut und BoN sowie als Vieh. Der Zahlenwert von Vieh (Behema) entspricht BoN.
2) Der Aspekt der Tora, der als Seir Anpin, MaH und Mensch (Adam) bezeichnet wird; denn der Zahlenwert von Mensch (Adam) entspricht MaH.
Abgaben und Zehnten werden nur vom Besitz entrichtet: von dem, was der Mensch bereits als Besitz und Eigentum erworben hat. Erst dann kann er davon den Zehnten geben. Daher gibt es den Zehnten vom Vieh, also das, was aus dem Aspekt des Viehs gegeben wird, der Nefesh entspricht, und den Zehnten von den Früchten des Baumes, die dem Aspekt des Menschen entsprechen.
Die Zeit für die Abgabe der Zehnten beginnt, sobald Fruchtansatz oder Austrieb sichtbar sind, sodass gewiss ist, dass ein Ertrag erzielt wurde. Bei Gemüse richtet man sich nach der Ernte, weil es nicht von Dauer ist, bei einem Baum dagegen nach dem Fruchtansatz.
Wenn man im Aspekt der Tora mit einem Fruchtansatz belohnt wurde, ist bereits gewiss, dass daraus Früchte entstehen. Beim Glauben hingegen richtet man sich gerade nach der Ernte, denn er ist „jeden Morgen neu“: Der Glaube muss jedes Mal erneuert werden. Bei der Tora ist es anders: „Die Tora schützt und rettet, selbst wenn man sich gerade nicht mit ihr beschäftigt.“
„Eine prächtige Tora in einem hässlichen Kli.“1 Der Glaube wird als hässliches Kli (Gefäß) bezeichnet, weil die ganze Welt ihn verachtet.
Klipa (Schale). Das gleicht einer frischen Frucht, die in einer Kiste verschickt wird. Solange sie unterwegs ist, muss sie geschützt aufbewahrt werden, damit sie nicht schmutzig wird. Daher schützt die Klipa die Heiligkeit (Kedusha).
Gegensätzlichkeit. Einerseits brauchen wir große Gefäße des Empfangens. Andererseits fallen wir in die Grube des Verderbens, wenn wir große Gefäße des Empfangens haben. Verfügen wir dagegen über Gefäße des Gebens, können wir wegen des fehlenden Kli nichts empfangen.
Zwei allgemeine Grundsätze:
Einerseits scheint es, als lebte der Mensch aus eigener Kraft und als gehörte ihm das Leben von Natur aus. Andererseits besitzt er in seiner eigentlichen Natur kein Leben, sondern nur etwas künstlich Erworbenes. Wenn er einige Tage lang vergisst, sich Leben von außen zu erwerben, fällt er und stirbt. Man muss verstehen: Wenn der Schöpfer uns Leben geben wollte, warum gab Er es uns dann nicht als Bestandteil unserer Natur? Warum müssen wir uns stattdessen ständig abmühen und das Leben von außen erwerben?
Die Existenz geht aus der Eigenschaft des Gerichts hervor. Daher ist der Mensch zwar lebendig, aber klein und schwach und hat keinerlei Recht auf Bestand. Denn sobald er geboren wird, wirkt auf ihn das Geheimnis des Zimzum (Einschränkung). Deshalb hat er kein Recht auf Bestand.
Der Bestand der Existenz wird durch die Verbindung der Eigenschaft der Barmherzigkeit mit der Eigenschaft des Gerichts ermöglicht. Alles, was durch Anstrengung herangezogen wird, beruht auf einer Führung, die diese beiden Eigenschaften miteinander verbindet. Dies gilt als Lohn und Strafe.
Die Klipa schützt die Frucht, damit sie zum Empfänger gelangt. Solange der Mensch noch nicht geeignet ist, die Arbeit des Gebens anzunehmen, gibt ihm die Klipa ihre Kräfte. Durch sie empfängt er die Frucht, die „Empfangen, um zu geben“ heißt. Wenn man eine Frucht nimmt, berührt man zuerst ihre Schale. Ebenso muss man zuerst lo liShma empfangen, bevor man liShma erlangt, das als Frucht bezeichnet wird.
Die Gewöhnung an die Arbeit geschieht durch lo liShma; andernfalls könnte man Schaden verursachen, ähnlich wie bei „einem, der seinen Herrn kennt“ usw.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
-
Taanit 7a. ↩