920. Von vier Söhnen spricht die Tora
„Von vier Söhnen spricht die Tora.“ Denn die gesamte Tora ist nur für den Bösen Trieb (Jezer haRa) da, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“1 Daher heißt es: „Dem, der nicht zu fragen weiß, sollst du es eröffnen.“ Man muss verstehen, was gefragt werden soll und womit man es ihm eröffnet. Was ist das besondere Mittel, mit dem man denjenigen öffnen kann, der nicht zu fragen weiß?
Wenn es einen Bösen Trieb gibt, besteht ein Bedarf an der Tora. Glaubt ein Mensch an Lohn und Strafe, kann er Tora und Mizwot bereits einhalten, weil er dafür eine Gegenleistung erhält. Deshalb stellt er nicht die Frage des Frevlers (Rasha): „Was ist dieser Dienst für euch?“ Wenn das Böse in ihm nicht vorhanden ist, wie oben beschrieben, braucht er die Tora nicht. Daher heißt es: „Du sollst es ihm eröffnen.“
Siehst du einen Menschen, der sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, weil er an Lohn und Strafe glaubt, so ist er verschlossen. Das bedeutet: Sein Böses ist eingeschlossen und verborgen. Daher kann man es nicht korrigieren, denn ein Mensch korrigiert nur das, was seine Augen sehen. Deshalb lehrt man ihn dann, zu arbeiten, ohne eine Belohnung zu erhalten.
Dann tritt das Böse hervor und fragt: „Was ist dieser Dienst für euch?“ Mit anderen Worten: Was haben wir davon, wenn wir ohne jede Gegenleistung für den Schöpfer arbeiten? Das widerspricht unserer Natur. Wir wurden mit der Natur geboren, uns selbst Genuss zu bereiten und nicht dem Nächsten, wenn wir nichts dafür erhalten. Nun braucht der Mensch die Tora. Dann kann man sagen: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“
Anders ist es, wenn der Böse Trieb in ihm nicht vorhanden ist, das heißt, wenn das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel) in ihm nicht erkennbar ist. Denn nur dies wird „böse“ genannt und nichts anderes.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Kiddushin 30b. ↩