923. Und er sagte: Wenn ihr den Hebräerinnen bei der Geburt helft
„Und er sagte: Wenn ihr den Hebräerinnen bei der Geburt helft und sie auf dem Gebärstuhl seht: Ist es ein Sohn, so tötet ihn; ist es eine Tochter, so soll sie leben. Und Pharao gebot seinem ganzen Volk: Jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Nil werfen, jede Tochter aber sollt ihr am Leben lassen.“
Dies ist als Hinweis zu deuten. Wenn ein Mensch beginnt, auf dem Weg des Schöpfers zu gehen, ist Pharao, der König von Ägypten, der König, der über die Körper herrscht. Er sorgt dafür, dass sie diejenigen, die um des Gebens willen arbeiten, festhalten und ihnen Widerstand leisten, damit sie nicht zur gewünschten Vollkommenheit gelangen, in der all ihre Handlungen für den Schöpfer sind.
Deshalb sagte er – das heißt, er gab den Befehl –, dass die Arbeitenden, wenn sie sich mit Tora und Mizwot befassen, „Hebräerinnen“ genannt werden; denn die Arbeit in Tora und Mizwot gehört zu den Dienern des Schöpfers. „Ägypterinnen“ heißen sie dagegen, wenn der Mensch sich mit materiellen Handlungen befasst, denn auch die Ägypter beschäftigen sich damit. Nur wenn sie sich mit Tora und Mizwot befassen, werden sie „Hebräerinnen“ genannt.
„Und seht auf den Gebärstuhl“ bezeichnet die Zeit, in der ein Mensch sagt, dass er verstehen will, was er tut, also zu welchem Zweck er sich mit Tora und Mizwot befasst. Ist es ein „Sohn“, das heißt, ist seine Arbeit auf das Geben ausgerichtet und ist dies sein Wunsch, während er sich mit Tora und Mizwot befasst, dann gilt: „Tötet ihn.“ Gebt ihm weder Lebenskraft (Chajut) noch Kraft, damit er seine Arbeit einstellt.
Ist es aber eine „Tochter“, das heißt, ist seine Absicht weiblicher Art, also auf das Empfangen gerichtet, dann gilt: „Sie soll leben.“ Ihr könnt ihm Kraft und Lebenskraft geben, denn dieser Mensch will Ägypten nicht verlassen, und man braucht ihn nicht zu fürchten. Deshalb könnt ihr ihm helfen, das zu tun, was er will, selbst wenn er jede Einzelheit peinlich genau beachtet; denn in jedem Fall wird er bei uns in Ägypten bleiben. Und es lohnt sich nicht, umsonst zu arbeiten, denn so oder so gehört er zu uns.
Ist es dagegen ein „Sohn“, ist seine Absicht also darauf gerichtet, für den Schöpfer und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten, kann er dadurch der Eigenschaft des „Retters Israels“ würdig werden, die als die Eigenschaft von Moses bezeichnet wird. So sagten unsere Weisen: „Die Ausbreitung von Moses gibt es in jeder einzelnen Generation.“
Wenn er der Eigenschaft von Moses würdig wird, die „Retter Israels“ heißt und Israel aus Ägypten retten wird, muss man dies von vornherein erkennen, um ihn daran zu hindern, den Zustand zu erreichen, in dem er das ägyptische Exil verlässt.
Doch woran kann man erkennen, dass er um des Gebens willen arbeitet? Schließlich befindet er sich noch in Ägypten, also in der Eigenschaft des Eigennutzes und nicht in der des Gebens. Er will diese Eigenschaft aber jetzt erlangen. Dazu heißt es, dass er ihnen ein Zeichen gab: „Das Männliche liegt mit dem Gesicht nach unten, das Weibliche mit dem Gesicht nach oben.“
Vorder- und Rückseite werden in der „Einführung in das Talmud Esser haSefirot“ erklärt: Wenn man einen Menschen von hinten sieht, weiß man nicht, ob es wirklich derjenige ist, für den man ihn hält; vielleicht ist es ein anderer, und man kann sich irren. Sieht man seinen Freund dagegen von vorn, hat man keinerlei Zweifel.
Will man daher auf etwas hinweisen, das man mit dem Verstand in völliger Gewissheit erfasst, sodass kein Irrtum möglich ist, nennt man dies „Vorderseite“. Etwas, das dem Verstand nicht eindeutig klar ist, heißt dagegen „Rückseite“.
Daher bezeichnet die „Vorderseite“ das Wissen: Der Mensch arbeitet für den Schöpfer nur auf der Grundlage des Wissens. Dies heißt, dass seine Vorderseite für ihn von hoher Bedeutung ist, weil für ihn das Wissen die Hauptsache ist. Die „Rückseite“ dagegen bedeutet, dass er sich nur im Glauben befindet, denn aus Sicht des Verstandes kann es so oder auch anders sein. Dies ist für ihn von geringer Bedeutung.
Deshalb gab er ihnen das Zeichen: Wenn ihr wissen wollt, ob er auf das Ziel zugeht, die Eigenschaft des Gebens zu erlangen, dann achtet darauf, ob sein Gesicht nach unten weist – ob also das Wissen für ihn von geringer Bedeutung ist –, während seine Rückseite nach oben weist, der Glaube für ihn also von hoher Bedeutung ist. Das ist ein Zeichen dafür, dass er die Eigenschaft eines „Sohnes“, die Eigenschaft des Gebens, erlangen will.
Deshalb gilt: „Tötet ihn.“ Hindert ihn mit allen Mitteln daran, denn er wird gewiss der Eigenschaft von Moses würdig werden, des Retters Israels, der Israel aus dem ägyptischen Exil herausführen und in das Land Israel, in den Palast der Heiligkeit (Kedusha), bringen wird. Dies ist das Geheimnis der Worte: „Du wirst Meine Rückseite sehen“, also den Glauben, „aber Mein Angesicht wird nicht gesehen werden“ – durch Wissen werdet ihr Mich nicht erlangen.
„Und Pharao gebot seinem ganzen Volk“ bedeutet, dass er nicht weiß, aus welchem Volk der Retter Israels geboren wird: aus Ägypten oder aus Israel. Denn jeder Mensch besteht auch aus materiellen Handlungen, die „Ägypter“ genannt werden, weil sich auch die Ägypter mit materiellen Handlungen befassen. Daher wird die Arbeit des Menschen an materiellen Handlungen „Ägypten“ genannt. Wenn er sich hingegen mit Handlungen der Tora und der Mizwot befasst, heißt er „Israel“.
Er sagt also, dass er nicht weiß, aus welcher Eigenschaft heraus der Mensch der Eigenschaft von Moses, des Retters Israels, würdig werden kann. Es ist nämlich möglich, dass der Mensch sich mit materiellen Dingen befasst, während alle seine Absichten auf das Geben gerichtet sind. Dann kann er sogar beim Ausführen materieller Handlungen der Eigenschaft des Retters Israels würdig werden.
Deshalb sollt ihr sie beobachten, während sie sich mit materiellen Handlungen befassen. Wenn sie dabei auf das Geben ausgerichtet sind, was als männliche Eigenschaft bezeichnet wird, dann gilt: „Werft ihn in den Nil.“ Lasst ihn selbst bei materiellen Handlungen nicht für den Schöpfer ausgerichtet sein, denn dies wird als die Eigenschaft eines „Sohnes“ bezeichnet. „Jede Tochter aber sollt ihr am Leben lassen“: Nur wenn seine Absicht auf das Empfangen um des Empfangens willen gerichtet ist, könnt ihr ihm Lebenskraft und Kraft geben, damit er die materiellen Handlungen ausführt.
Ist es dagegen ein „Sohn“, kann er selbst in dieser Zeit der Eigenschaft von Moses, des Retters Israels, würdig werden, der Israel aus dem ägyptischen Exil herausführen und in das Land der Heiligkeit bringen wird.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026