927. Zum Thema Chamez und Mazza
Es ist zu erklären, worin Chamez (Gesäuertes) und Mazza bestehen und warum Mazza „Brot der Armut“ genannt wird.
Ebenso ist die Mishna zu verstehen: „An Pessach wird über das Getreide gerichtet und an Schawuot über die Früchte des Baumes.“ Rabbi Yehuda sagte im Namen Rabbi Akiwas: „Warum ordnete die Tora an: ‚Bringt Mir an Pessach die Omer-Garbe dar‘? Damit das Getreide auf euren Feldern für euch gesegnet werde.“
„Und warum ordnete die Tora an: ‚Bringt an Shawuot zwei Brote dar‘? Weil Shawuot die Zeit der Früchte des Baumes ist. Der Schöpfer sagte: ‚Bringt Mir an Shawuot die zwei Brote dar, damit die Früchte des Baumes für euch gesegnet werden‘.“1 Welcher Zusammenhang besteht zwischen den zwei Broten, die aus Weizen – einem Erzeugnis des Landes – bestehen, und den Früchten des Baumes?
Rashi führt zwei Erklärungen an: „Die zwei Brote erwirken Wohlgefallen für die Früchte des Baumes, denn sie erlauben, die Erstlingsfrüchte darzubringen; vor Shawuot bringt man keine Erstlingsfrüchte dar. Ich habe gehört, dass Rabbi Yehuda seiner eigenen Auffassung folgt, denn dies entspricht demjenigen, der sagt2: ‚Der Baum, von dem Adam haRishon (der erste Mensch) aß, war Weizen.‘“ Und dort im Traktat Sanhedrin sagte Rabbi Yehuda: „Der Baum, von dem Adam haRishon aß, war Weizen, denn ein Kleinkind ruft erst dann Vater und Mutter, wenn es den Geschmack von Getreide gekostet hat.“
Dazu ist zu fragen: Es gibt doch fünf Getreidearten. Woher stammt der Beweis, dass es gerade Weizen war? Und warum wird das Getreide auf den Feldern durch die Omer-Garbe gesegnet, die Tierfutter ist? Warum geschieht dies ausgerechnet durch die zwei Brote, die Nahrung für Menschen sind? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Weizen und den Früchten des Baumes?
Zunächst muss erklärt werden, wer der Mensch ist: Er ist das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel). Ebenso ist die Notwendigkeit der Anhaftung (Dwekut) zu erläutern.
Dies wird im Sohar3 erklärt: „Sauerteig und Gesäuertes sind eine Stufe, und sie alle sind eins. Die andere Herrschaft sind die Fürsten, die über die übrigen Völker eingesetzt sind. Wir nennen sie den Bösen Trieb (Jezer haRa).“ Der Schöpfer sagte: „All diese Jahre standet ihr unter einer anderen Herrschaft und habt einem anderen Volk gedient. Von nun an seid ihr frei: ‚Doch am ersten Tag sollt ihr den Sauerteig aus euren Häusern entfernen.‘“
Dies ist so zu erklären: Das Verlangen zu empfangen ist der Fürst Ägyptens. An Pessach wurdet ihr gerettet, seid aus dieser Herrschaft herausgekommen und unter die Herrschaft des Verlangens zu geben getreten. Das heißt, unter der Herrschaft des Schöpfers zu stehen, denn der Schöpfer gibt, und ihr seid bereits von der Herrschaft des Verlangens zu empfangen befreit.
Mazza wird „Brot der Armut“ genannt, wie der heilige Sohar sagt: „Denn der Mond stand in seiner Minderung. Warum stand der Mond in seiner Minderung? Weil bei ihnen die Freilegung noch nicht vollzogen und das heilige Zeichen nicht offenbart worden war.“ Damals gab es nur den Aspekt der Beschneidung (Mila). Beschneidung ist das Geheimnis der Worte „Beschneidet die Vorhaut eures Herzens“, also ein Abschneiden: die Entfernung des Verlangens zu empfangen. So traten sie in die Freiheit vom Verlangen zu empfangen ein und standen bereits unter der Herrschaft des Verlangens zu geben.
Die Tora wiederum heißt Empfangen mit der Absicht zu geben. Dies heißt Freilegung (Pria). Darin liegt das Geheimnis von Para-Yud-Hej. Es ist das Geheimnis der Mochin, also das Geheimnis des Lichts der Tora. Das ist die Bedeutung der Worte unserer Weisen: „Es gibt keinen Armen außer an Verstand.“ Erst wenn der Verstand der Tora offenbart ist, heißt die Mazza „reiches Brot“, also Nahrung eines Reichen.
Dann heißt der Mensch „mit seinem Anteil zufrieden“, wie es heißt4: „Wer Tora liShma lernt, wird vieler Dinge würdig, und die ganze Welt ist seinetwegen der Mühe wert.“
Bevor er der Tora würdig wird, hat er zwar bereits das Königtum des Himmels auf sich genommen. Das ist die Herrschaft des Himmels, also das Geben. Doch solange er den Verstand der Tora noch nicht besitzt, heißt er „Tier der Heiligkeit (Kedusha)“. Dies ist der Aspekt von Malchut, das Geheimnis der Erde, wie es im heiligen Sohar heißt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Himmel heißt Tora, und Erde heißt Glaube.
Als an Pessach also nur die Beschneidung vorhanden war und sie des Auszugs aus der Herrschaft der Ägypter würdig wurden, traten sie auf die Stufe des „Tiers der Heiligkeit“. Deshalb bringen sie eine Omer-Garbe aus Gerste dar, die Tierfutter ist. Dadurch wird das Getreide auf den Feldern gesegnet, denn das Feld ist das Geheimnis von Malchut, der Aspekt des „Feldes, das der Ewige gesegnet hat“.
Durch die Früchte der Omer-Garbe während der sieben Wochen werden sie des Empfangs der Tora würdig, also des Empfangens mit der Absicht zu geben. Dann heißen sie „Mensch“, denn sie besitzen bereits den Verstand der Tora, der „Himmel“ heißt. Die Tora ist der Baum des Lebens, und der Mensch heißt Baum des Feldes. Deshalb bringen sie zwei Brote aus Weizen dar, der Nahrung für Menschen ist. Dadurch werden die Früchte des Baumes gesegnet. Dies deutet darauf hin, dass sie zusammen mit der Tora gesegnet werden.
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026