941. Der Berg Sinai
„Was ist der Berg Sinai? Der Berg, auf den Hass gegenüber den Völkern der Welt herabstieg.“1 Es ist zu verstehen, warum die Tora gerade bei Israel Hass bewirkte und warum wir nicht sagen, dass zwischen Ismaeliten und Christen und dergleichen Hass herrscht. Im Sinne der ethischen Lehre ist dies so zu erklären: Als „Völker der Welt“ werden ihre Verlangen bezeichnet, nämlich die materiellen Begierden, deren ganzer Wunsch darin besteht, ihren Bauch zu füllen. Ihr Träger ist der Böse Trieb (Jezer haRa). Demgegenüber wird „Israel“ als „das Verlangen nach der Arbeit für den Schöpfer“ bezeichnet. Sein Träger ist der Gute Trieb (Jezer haTov).
Während der Arbeit hat der Mensch Verlangen und Sehnsucht nach materiellen Begierden. Daraus folgt, dass er die Völker der Welt liebt. Es erfordert große Arbeit von ihm, sich zu überwinden, um diese Verlangen zu verändern. Dies ist nur durch die Tora möglich, denn sie besitzt die Kraft, in ihm Hass gegen alle materiellen Begierden zu wecken.
So ist zu erklären, warum dies „Berg Sinai“ genannt wird: Auf ihm stieg Hass gegenüber den Völkern der Welt herab. Das heißt, durch die Tora wird der Mensch damit belohnt, die Völker der Welt zu hassen; in seinem Herzen verankert sich Hass gegen den Bösen Trieb, wie unsere Weisen sagten: „Das Licht in ihr führt ihn zum Guten zurück.“
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Schabbat 89a. ↩