940. Der Punkt im Herzen
Seit der Tempel zerstört wurde, gilt das Wort: „Sie sollen Mir ein Heiligtum machen, und Ich werde in ihnen wohnen.“ Gemeint ist der Punkt im Herzen: Er soll ein Ort des Heiligtums sein, in dem das Licht des Schöpfers wohnt, wie geschrieben steht: „Ich werde in ihnen wohnen.“ Deshalb muss sich der Mensch bemühen, sein Bauwerk der Heiligkeit (Kedusha) zu errichten.
Dieses Bauwerk muss so beschaffen sein, dass die höhere Fülle in es eintreten kann. Sie wird als Fülle bezeichnet, die der Geber dem Empfänger gibt. Nach der bekannten Regel muss jedoch zwischen Geber und Empfänger eine Angleichung der Form bestehen: Auch der Empfänger muss die Absicht haben zu geben, wie der Geber.
Dies wird als Handlung bezeichnet, wie geschrieben steht: „Sie sollen Mir ein Heiligtum machen.“ Denn die Handlung bezieht sich auf das Kli (Gefäß), nicht auf das Licht. Das Licht gehört zum Schöpfer; nur die Handlung gehört zu den Geschöpfen. Das Licht heißt „Segen vom Ewigen“, wie geschrieben steht: „Und Ich werde dich in allem segnen, was du tust.“ Darin liegt die Bedeutung von „Wir werden tun und wir werden hören“: Durch das Werk unserer Hände werden wir des Hörens würdig, wie geschrieben steht: „Und das ganze Volk sah die Stimmen.“ Das heißt, sie hörten die Stimme des Schöpfers.
Mit „Sehen“ ist ein Sehen mit den Sinnen gemeint, also ein Empfinden im Herzen. Jeder Einzelne, der am Berg Sinai stand, spürte in seinem Herzen, dass die Stimme des Schöpfers zu ihm sprach, und niemand hatte daran irgendeinen Zweifel. Das wird „Sehen“ genannt. So ist es auch sonst: Wenn ein Mensch etwas sieht, zweifelt er nicht daran; beim Hören dagegen kann es sein, dass er nicht richtig gehört hat. Deshalb stützt man sich bei einer Zeugenaussage nicht auf Gehörtes, sondern auf Gesehenes.
Deshalb wird die Gabe der Tora „Sehen“ genannt: Sie hatten keinerlei Zweifel, dass dies die Stimme des Schöpfers war. So sagten unsere Weisen: „‚Ich‘ und ‚Du sollst keine [anderen Götter] haben‘ – diese Worte hörten wir aus dem Mund der Gwura (der Allmacht).“1
korrEY, Buchfassung, 25.09.2026
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Makkot 24a. ↩