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942. Über den Verstand, der das Herz beherrscht

„Verstand“ (Mocha) bezeichnet Chochma. „Herz“ bezeichnet Bina, also das Licht der Chassadim. Der Verstand kann herrschen: Er kann bestimmen, dass dieses Licht gerade dann leuchtet, wenn er ein Herz besitzt, also die Gnaden. Denn solange ihm die Gnaden fehlen, kann das Licht von Chochma nicht herrschen und nicht leuchten. Dieser Zustand heißt „Nacht“.

Anders ist es beim materiellen Verstand. Mein Vater und Lehrer sagte: Der Verstand hat keinerlei Herrschaft über das Herz, also über das Verlangen zu empfangen (Razon lekabel). Denn das Verlangen zu empfangen hat das Sagen, und keine Kraft des Verstands kann seine Herrschaft annullieren. Es heißt: „Ein Mensch lernt nur dort, wohin sein Herz ihn zieht.“ Das bedeutet: Ein Mensch erkennt nur das als vernünftig, was sein Herz will.

Wenn ein Mensch beispielsweise stehlen will, bittet er den Verstand, ihm Mittel und Wege zu zeigen, wie er dies ausführen kann. Will er hingegen gute Taten vollbringen, gibt ihm der Verstand ebenfalls Ratschläge (Ejtin), wie er sie ausführen kann.

Folglich dient der Verstand dem Herzen des Menschen, also dem Verlangen zu empfangen, ebenso wie seine Hände, Füße und übrigen Helfer. Deshalb gibt es keinen anderen Rat: Wir müssen unser Herz reinigen. Darum beten wir: „Reinige unser Herz, damit wir Dir in Wahrheit dienen.“ Der Verstand kann für den Menschen nicht entscheiden, ob er den guten oder den entgegengesetzten Weg geht. Vielmehr gilt, was bei der Gabe der Tora gesagt wurde: „Wir werden tun und wir werden hören.“

Zuerst handeln wir also ohne Verstand. Danach werden wir des Hörens würdig und können hören, dass das, was wir tun, gut für uns ist. Wenn wir dagegen zuerst verstehen wollen, dass es sich für uns lohnt, dem Schöpfer zu geben, und erst danach handeln wollen, werden wir dieses Ziel nie erreichen.

Wie unsere Weisen sagten: „Darum sagen die Herrscher.“ Es wurde gelehrt: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Yonatans: „Was bedeutet der Vers ‚Darum sagen die Herrscher‘? Damit sind jene gemeint, die über ihren Trieb herrschen. ‚Kommt nach Cheshbon‘ – kommt, lasst uns die Rechnung der Welt berechnen: den Verlust, den eine Mizwa mit sich bringt, gegenüber ihrem Lohn und den Lohn einer Übertretung gegenüber ihrem Verlust. ‚Sie wird gebaut und gefestigt‘ – wenn du so handelst, wirst du in dieser Welt aufgebaut und für die Kommende Welt gefestigt.“1

Daraus folgt: Wer über seinen Trieb herrscht, kann durch das Handeln – ein Handeln über der Vernunft und dem Verstand – eine vernünftige Abwägung treffen. Ohne die Stufe des „Tuns“ ist der Verstand dazu nicht fähig, denn er kann die Wahrheit niemals sehen. Der Mensch ist dem Herzen, also dem Verlangen zu empfangen, versklavt und von ihm bestochen. Er lässt sich bestechen, wenn er sieht, dass die Sache seine Selbstliebe beeinträchtigen könnte.

Zuerst müssen wir also Tora und Mizwot durch Handeln über dem Verstand auf uns nehmen. Dies wird „Handeln ohne Verstand“ genannt. Danach werden wir des Hörens würdig und können gute Abwägungen treffen, bis wir schließlich vom Himmel hören. Mein Vater und Lehrer sagte dazu: „Der Lohn einer Mizwa ist der, der sie gebietet.“ Das bedeutet: Wir werden würdig, denjenigen zu hören, der die Mizwot gebietet.

korrEY, Buchfassung, 25.09.2026


  1. Baba Batra 78b. ↩